Moers Festival: Improvisierte Musik als Lösung aller Probleme

June 4th, 2009

Über Pfingsten war ich auf dem diesjährigen Moers Festival. Wer es nicht kennt: Schwerpunkt liegt stets darin, neue Strömungen und Musiken zu präsentieren, die im Grenzbereich von Jazz, Pop und Rock liegen. Großgeschrieben werden hier Experiment und Improvisation – wer hier herkommt sollte offen sein für ungewohntes, versuchen sich einzulassen auf Klänge, die man bis dato entweder nicht mochte oder nicht verstand. (Natürlich gibt es als Ausgleich auch jede Menge “accessible music”).

Parallel zum Hauptprogramm gibt es diverse kleinere Veranstaltungen, unter anderem die Morning Sessions: Hier werden für jeweils zwei Stunden an drei Orten Musiker zusammengewürfelt, die sich bis dato nicht kannten. Meist sind das Musiker von Hauptacts des Festivals, sie kommen aus der ganzen Welt und stehen in den Sessions auf der Bühne, um gemeinsam zu improvisieren. Was man dann zu sehen bekommt ist glückssache. Es kann sein, dass nichts entsteht, mit dem man so richtig was anfangen kann. Aber in diesem Jahr waren die Morning Sessions für mich eins der absoluten Highlights.
Es macht einfach Spaß zu sehen, wie etwas so wunderbares entsteht – vor seinen Augen, und man weiß, dass jeder einzelne auf der Bühne gerade genauso entzückt und positiv überrascht ist, über das was ungeplant und spontan plötzlich da ist.

Während ich da saß und dem Treiben zuschaute kam mir die Erkenntnis: Improvisierte Musik ist die Lösung auf alle Fragen!

Morning Session Dunkelzelt

Naja, nun gut. Vielleicht nicht ganz. Aber wenn jeder Deutsche die Fähigkeiten hätte, die diese Musiker haben, hätten wir ganz gewiss weniger Probleme in unserer Gesellschaft. Was ich meine: Dieses Setup kann man als Metapher sehen. Da stehen Menschen auf der Bühne, die sich auf eine Sprache geeinigt haben, über die sie kommunizieren und interagieren: Musik. Menschen die sich vorher nicht kannten, aber wissen, dass sie gemeinsam etwas entstehen lassen müssen. Sie wissen darum, dass nur etwas entstehen kann, wenn sie gemeinsam im Einklang agieren. Sie wissen darum, dass die Summe mehr ist als die einzelnen Teile. Der Pianist weiß einfach, dass es manchmal angebracht ist, einfach nicht zu spielen und zu warten. Warten, bis sein Element wieder ein Gewinn fürs große Ganze ist. Er weiß aber auch, das es manchmal nötig ist, nach vorne zu preschen. Den anderen, die gerade auf der Suche sind eine Richtung zu geben. Dominant zu sein. Er tut dies aber nicht ohne darauf zu achten, dass er die anderen nicht verliert. Es geht ständig nur um das Ganze, der einzelne ist nur ein kleines Zahnrad, das sich unterordnet.

Wenn alle Menschen so ein Feingefühl aufzuweisen hätten, wäre das definitiv ein Gewinn. Aber das ist natürlich Utopie. Wie sähe so eine Improvisation aus, wenn man die Maximen der Realität anwendet? Zunächst fangen alle an zusammenzuspielen. Doch dann merkt der Gitarrist, dass man ihn besser hört, wenn er lauter spielt. Er nimmt einen Verstärker zur Hilfe und trumpft über alle leiseren unverstärkten Instrumente. Doch Schlagzeug und Blasinstrumente hört man immer noch – größerer Verstärker muss her. Er verbraucht den ganzen zur Verfügung stehenden Strom, sodass die anderen keine Chance mehr haben sich irgendwie Gehör zu verschaffen. Und voilà: Solokonzert des Gitarristen.

Troels Abrahamsen bringt es in seinem Track ganz gut auf den Punkt: “You have to be more like a collider”.

Wenn also improvisierte Musik und ein gutes Miteinander funktionieren sollen, muss sich jeder Akteur über das große Ganze im klaren sein. Er kann in drei verschiedenen Modi operieren:

  1. leise sein / sich zurücknehmen / warten / passiv sein
  2. mitgehen / das bestehende mittragen / nicht fallen lassen
  3. laut sein / nach vorne preschen / eine Richtung weisen

Sobald einer der Akteure nicht weiß, dass all diese Elemente im Wechselspiel zueinander stehen, leidet das Ganze. Wenn zu viele gleichzeitig denselben Modus fahren leidet das Ganze.

Morning Session Dunkelzelt

27. April: Niklas auf Om Lounge (15 Year Anniversary Edition)

April 18th, 2009

Jaja, dieses Internet ist einfach echt eine verrückte Sache. Irgendwer meinte neulich mal “Web 2.0 – surfst du noch oder connectest du schon?” (oder so ähnlich). Ja, es stimmt; wenn man denn will kann man sich mit allen möglichen Menschen in Verbindung setzen, Menschen “begegnen” und sich Zufälle ereignen lassen.

Seit heute halte ich eine CD in den Händen, auf der ein Lied von mir drauf ist. Om Records, Amerikanisches Label, international vertrieben und vermarktet. Verrückte Welt. Danke Internet!

Das fühlt sich so ein bisschen an, wie also nun auch offiziell als Solokünstler akzeptiert zu sein.  Erstes echtes Release. Auf Amazon erscheinen. Höchst wahrscheinlich auch iTunes-Store. Release: 27. April 2009. – Tadaa:

Om Lounge (15 Year Anniversary) auf meinem Tisch

Om Lounge (15 Year Anniversary Edition)

Mein Track:

Lustig auch, dass ich nie vorhatte ein “Lounge”-Lied zu machen. Man kann es in dem Kontext einordnen, aber ich denke beim Hören des Samplers wird man feststellen, dass ich eine gewisse Außenseiterrolle einnehme. Natürlich ist das ein ruhiger Track, aber es gibt da definitiv ein paar loungigere Tracks auf der Scheibe.

Und wie das so ist mit Samplern, es gibt Lieder die mag man, manche nicht. Zum Teil war ich echt positiv überrascht, zum Teil auch gar nicht, Lounge halt :)

Also, wer Lust hat darf sich das Ding zulegen. Ich hab momentan leider nur zwei Exemplare, kann also keine verteilen. Was man vielleicht noch zum wiederholten male anbringen sollte: Leute, wenn ihr irgendwas Kreatives macht: zeigt es der Welt. Keine Scheu!

Wer gefunden werden will, muss Spuren hinterlassen.

December 19th, 2008

“Release Early, release often!”, ist  seit geraumer Zeit ein Motto in der Software- und Internetwelt: Hast du eine Idee, die du umsetzen willst – schau dass du so schnell wie möglich einen Releasekandidaten hast und veröffentliche ihn. Auch wenn noch Features fehlen. Dann update regelmäßig und füge in einem konstanten Rhytmus neue Features hinzu.  Da es schon Nutzer gibt, bekommst du regelmäßig Feedback. 

Man kann und sollte diesen Spruch nicht eins zu eins auf jegliches kreatives Schaffen übertragen, aber ich habe für mich persönlich eine Parallele gezogen. Wie manche ja bereits wissen, mache ich selber Musik und habe irgendwann angefangen am Computer Lieder aufzunehmen / Lieder zu frickeln. Es hat alles ein bisschen gedauert, man muss sich finden. Zum Musikmachen birgt der Computer sehr viele Chancen aber auch Risiken. Man hat alle Möglichkeiten, kann viele viele Sounds benutzen, läuft aber auch Gefahr, sich in der Vielzahl der Möglichkeiten zu verlaufen und seine Richtung zu verlieren. So kam es, dass ich nach einem Jahr einen riesigen Ordner auf der Festplatte liegen hatte mit angefangenen Liedern, Ideen und kleinen Fragmenten. Alles offene Enden, nichts fertiggestellt. 

Ich hatte zuvor immer den Anspruch, dass wenn ich irgendwann Lieder veröffentliche, solle das ein bestimmter Stil sein (mein Stil). Die Lieder sollten so gut sein, dass sie sofort einschlagen. Ja, ich bin Perfektionist und Musik soll vollkommen sein. Doch man steht sich selbst im Weg. Solange man noch nichts erreicht hat, ist der eigene Perfektionismus die größte Blockade.

Und irgendwann habe ich angefangen damit aufzuhören. Ich wollte mich selbst heilen: Lieder ins Internet stellen, von denen man selber schon beim hochladen weiß, an welchen Stellen etwas besser gewesen wäre, was nicht ganz stimmt und überhaupt die nicht das repräsentieren, was ich eigentlich könnte. Somit wird man gezwungen sich öffentlich zu zeigen und zu sagen: “Ja, das habe ich gemacht!” 

Man wird wahrgenommen über Produkte, die nicht dem entsprechen was man eigentlich könnte (in einer idealen Welt).

ABER – und das ist der springende Punkt – man wird wahrgenommen. Und in welchem Maße, hätte ich persönlich nicht für möglich gehalten. Ich habe die Lieder auf Last.fm geladen, und immer wenn ein neues fertig war, einem Album hinzugefügt, Mixed Sessions. Und natürlich waren es immer noch unperfekte Tracks, die zeigen, dass ich auf der Suche bin; dass ich meinen Sound noch nicht gefunden hab. Doch so entstand mit der Zeit eine Kollektion von Liedern, die nach außen wie eine EP aussahen – und plötzlich wurde ich auch so wahrgenommen. 
Wildfremde Menschen gaben mir Feedback, ermutigten mich. Ich konnte sehen, dass jemand aus Japan ein bestimmtes meiner Lieder 8mal in einer Woche gehört hat. Ich bekam Nachrichten aus aller Welt –  Australien, Brasilien, Russland. 
Und so wurde diese Sache (wenn auch in kleinem Rahmen) eine Art Selbstläufer. Hin und wieder stolperten die richtigen Menschen über meine Sachen. Die, denen das gefällt, was ich da mache. Daraus folgt die (eigentlich triviale) Erkenntnis:

Wer gefunden werden will, muss Spuren hinterlassen!

Tagtäglich wuseln Millionen von Menschen durchs Internet und stolpern andauernd über irgendetwas. Irgendwann kreuzen sich die Spuren der einen mit den Pfaden der anderen und Menschen treten in Kontakt. Mein neuestes Beispiel hierfür: Jack Lane. Er macht Videos und ist per Zufall über meine Myspaceseite gestolpert. Eines meiner Lieder hat ihm dann so gefallen, dass er mich gefragt hat, ob er ein Video dafür machen kann. Ja klar, gerne.

Das ist jetzt 2 Wochen her, und das Resultat seht ihr hier:

:::: Nicken | These Days ::::

Gestern bekam ich eine Anfrage von einem Menschen aus England, der eines meiner Lieder in seinem Podcast verwenden will. Ja klar, gerne. 

Ich stehe in Kontakt mit einem Label aus San Francisco, die vielleicht eines meiner Lieder auf einem Sampler veröffentlichen wollen. Ja klar, gerne! 

Ich habe das Gefühl, dass das was gerade passiert ein Vorgang ist, der sich selbst potenziert. Je mehr Leute mich finden und mich referenzieren (ob über Video, Sampler oder Podcast), desto mehr Leute sehen mich. Und umso größer wird die Chance, dass wieder einer dabei ist, der mit mir zusammenarbeiten will. 
Ich bin wirklich voll und ganz überwältigt davon und hätte das nicht für möglich gehalten. Vor allem, wenn man bedenkt, dass das alles Lieder sind, die von mir “einfach nur so” hochgeladen wurden.  

Also mein Aufruf an alle Menschen, die irgendetwas erschaffen (Videos, Musik, Grafik, Texte): Release early, release often. Ihr könnt nicht früh genug anfangen, eure Spuren zu hinterlassen! Sind diese erst einmal da, werden die Leute schon merken, wenn euer Output qualitativer, reifer und professioneller wird.

Soundcloud: 2.0-Startup, das Sinn ergibt

July 16th, 2008

Das ist ja echt selten geworden, dass man von einem neuen Webdienst hört und nicht gähnt. Nein, mich interessiert keine deutsche Version von irgendwas, was es schon gibt. Mich interessiert auch kein “wir sind DIE neue Community für…”

Soundcloud

Und jetzt bin ich Teil der neuen semi-private Beta von Soundcloud.com. Und ich bin begeistert.

In Bokardos Blog habe ich vor geraumer Zeit von der Delicious-Lesson gelesen. Die besagt kurz, dass jeder 2.0-irgendwas-Dienst nur eine Chance hat, wenn er dem User persönlichen Nutzen bietet. Der persönliche Nutzen muss größer sein, als der Community-Aspekt. Wenn an einen guten Dienst, wie Delicious, eine Community angebunden ist, hat das nette Nebeneffekte; aber die breite Masse wird niemals einfach aus Gutmenschtum einen Dienst nutzen. Also: das wichtigste für einen Onlinedienst ist der Nutzen für den einzelnen User.

Und jetzt zurück zu Soundcloud: jawoll! Volltreffer! Dieser Dienst tut genau das und richtet sich an Musiker und alle, die irgendwie eigenständig Tondateien erzeugen und mit anderen teilen wollen. Die Leute von Soundcloud haben erkannt, dass es bis jetzt nie Spaß gemacht hat, seine Lieder hin- und herzuschicken; es war irgendwie immer umständlich. Dafür haben sie jetzt eine Lösung geschaffen. Und die ist absolut State of the Art, obwohl es noch in der Beta-Phase ist. Neueste Webtechnologie kombiniert mit sauberem Interfacedesign und einem guten Konzept:

Man lädt eine Sounddatei hoch (ob es nun ein fertiges Lied, eine Demo-Version oder eine rohe Idee ist) und kann bestimmen, ob sie öffentlich zugänglich ist, oder nur bestimmten Leuten gezeigt werden darf. Diese Leute können dann Feedback geben. Das Gute: vorher, musste man sich immer behelfen mit Formulierungen wie “Der Übergang nach dem Intro-Crescendo” oder “die Basslinie bei 2:34″. Jetzt kann man ganz einfach auf der Zeitlinie einen Marker setzen und direkt “vor Ort” seinen Kommentar hinterlassen.
Man kann außerdem bestimmen, ob die Originaldatei runtergeladen werden darf und ob das Lied per Flash-Player auf fremden Seiten eingebunden werden darf. Hier testweise mein neustes Werk:

Man merkt: die Jungens haben Wert auf größtmögliche Flexibilität gelegt. Ja, die Plattform löst keine Probleme, die man nicht vorher auch schon irgendwie hätte lösen können, aber mal wieder ist es das WIE, das die ganze Sache besonders macht. Es macht absolut Sinn für Musiker, die örtlich getrennt von ihren Hörern oder Mitmusikern sind. Und es macht Spaß, das YouTube für Musiker.

Nette Info zum Schluss: das ist ein Europäisches Startup mit schwedischen Roots und Sitz in Berlin. Bitte mehr originale Ideen aus unseren Gefilden!

“Internet? Wer kennt Internet?”

June 21st, 2008

Das ist jetzt kein Witz: Diese Frage wurde uns ernsthaft im Jahre 2004 gestellt, damals im Geschichtskurs. Gestellt von einem Referendar, der nachweislich in seiner eigenen Welt lebte und wenig Anderes mitbekommen hat. Für uns war das Internet damals natürlich schon Alltag. Und natürlich schauten wir den armen Referendar fragend an, bevor wir uns das Lachen nicht verkneifen konnten. 

Heutzutage muss man erst recht davon ausgehen, dass es zumindest in westlichen Ländern keine Menschen gibt, die noch nie vom Internet gehört haben. Es ist schon lange mitten in der Gesellschaft angekommen. Selbst wenn man die Online-Generation rausnimmt. Und man muss eigentlich gar nichts mehr dazu sagen, geschweige denn schreiben. Web 2.0 ist toll. Web 2.0 verbindet Menschen. Hier findet was ganz großes statt… *gähn*
Leute die jetzt noch mit dieser Euphorie ankommen haben wohl das Jahr 2006 verschlafen. Das haben wir alles schonmal gehört. Web 2.0 ist keine neue Verheißung. Web 2.0 ist bloßer Alltag geworden.

Aber dennoch: Manchmal gibt es so Momente, in denen man im Kleinen und ganz persönlich merkt, was da eigentlich passiert ist. Dass das, was man im Alltag für gegeben hinnimmt, trotzdem eine wahnsinnig tolle neue Situation ist. Das wird einem dann in bestimmten Schlüsselerlebnissen klar und man freut sich. Ich hatte jüngst zwei solcher Erlebnisse: 

Zum einen habe ich mich nochmal mit Jazzgitarre beschäftigt. Gitarristen weisen für gewöhnlich ja eine gesunde Distanz zu Musik in Notenform auf, sodass es eine wirkliche Herausforderung wird, die Melodie zu entschlüsseln. In meiner Not habe ich einfach mal den Namen des Jazzstandards bei YouTube eingegeben und sofort hatte ich eine Vielzahl von Versionen des Liedes. Gesungen, als Big-Band-Version und natürlich: Gitarre. Da gibt es nicht nur Leute, die penibel ihr Griffbrett abfilmen, mit den Akkordbezeichnungen eingeblendet, sondern auch welche, die mich Schritt für Schritt durch die Melodie führen. Und eine halbe Stunde später spielt man das Stück und ist um das Auseinandersetzen mit Noten herumgekommen. Der Musiklehrer würde das natürlich nicht begrüßen; der Gitarrist freut sich aber. Und da ist mir das wieder einmal bewusst geworden, was das für ein Schatz ist. Dass das, was da gerade entsteht phänomenal ist: jeder kann Gitarre lernen, einfach nur durch YouTube-Videos: Schlüsselerlebnis #1. 

Schlüsselerlebnis #2: Ich habe angefangen, auf Last.fm Lieder zu taggen. Im großen Stil. Das heißt, wenn ich ein Lied höre, verschlagworte ich es mit allen Begriffen, die ich nur irgendwie damit assoziiere. Also nicht nur “indie” oder “alternativ”, sondern (und gerade eben) “ruhig”, “siebenachtel”, “gut zum arbeiten”, “interessant” oder was einem noch alles einfällt. So kann man dann später sein persönliches Webradio hören. Mit allen Liedern, die zb. “siebenachtel” getaggt sind. Interessant auch, dass man sieht, wie ein Stück bereits getaggt wurde. 
Als ich dann bei diesem einen Goldfrapp-Lied nicht wusste, wie ich das Gefühl ausdrücken soll, dass das Lied ausstrahlt, musste ich wirklich suchen. Irgendwann hatte ich es: zerbrechlich. Dieses Lied klingt zerbrechlich. Angefangen einzugeben, und siehe da: es wurde schon “zerbrechlich” getaggt. Das war wirklich sehr krass. Plötzlich wird einem bewusst, dass irgendwo anders jemand saß und genau den gleichen Gedankenprozess durchlaufen ist: Was strahlt dieses Lied aus? Und ohne dass wir uns kennen, sind wir nun doch verbunden. Und ich fühle mich in meinem Gefühl bestätigt. Das Internet verbindet Menschen.

Nun gut, jetzt also doch ein Loblied auf’s Internet. Was soll man machen? Habt ihr ähnliche Schlüsselerlebnisse gehabt, die die Euphorie nochmal haben aufkochen lassen? So lasst es mich wissen! 

Animationsfilm: One Motor For All

June 13th, 2008

Hier seht ihr nun das Ergebnis meiner Abschlussarbeit des Moduls Creative Design an der Hogeschool Zuyd in Maastricht. Damit ihr nicht so ganz auf dem Schlauch steht, will ich vielleicht noch kurz die Aufgabenstellung erläutern. 

Wie vielleicht ein paar Leute mitbekommen haben, war hier bereits des öfteren von Edward de Bono die Rede. Und dieser Herr hat uns auch die Grundlage für die Aufgabe geliefert:

 

Mit dieser Problemstellung sollten wir uns nun beschäftigen, das Problem analysieren und eine kreative Lösung für das Problem finden. Es ging hierbei nicht allzu stark um realisierbare Lösungen, sondern vielmehr darum, darüber nachzudenken, was denn überhaupt alles möglich sei. Nachdem wir uns für eine Lösung entschieden hatten, sollten wir einen ‘Prototypen’ erstellen –

 was sich nach mehreren Gesprächen mit den Dozenten aber eher rausstellte als: bindet eure Lösung in irgend ein (evtl. interaktives) Medienprodukt ein. So kommt es, dass in meiner Abgabe nicht zu viel von der spezifischen Lösung gesprochen wird, sondern eher davon, dass es eine Lösung gibt

Mein Ansatz war der, zunächst dieses ganze Verkehrschaos zu abstrahieren. Wenn man das tut landet man bei einem Transportproblem, nicht bei einem Autoproblem. Menschen wollen von A nach B; dass sie dies mit dem Auto tun liegt lediglich daran, dass das für sie momentan die komfortabelste Lösung ist. Gäbe es eine bessere Lösung, würde sie genutzt.

Was wäre denn, wenn es schon eine gute Lösung gäbe, von jemandem der genug Zeit hatte, diese zu entwickeln? Zum Beispiel die Natur: Blutkörper in unseren Körpern haben die gleichen Probleme wie wir in Städten: sie müssen von A nach B kommen. Generell hinkt dieser Vergleich nicht:

  • Ein Mensch hat Adern, eine Stadt hat Straßen
  • diese haben gewisse Rangordnungen: Wichtige (Aorta/Hauptstraßen) lassen Viel in kurzer Zeit passieren; Unwichtigere (Kapillare/kleine Straßen) brauchen keine zu großen Kapazitätten
  • In der Blutbahn schwimmen Blutkörperchen; auf den Straßen bewegen sich Menschen. Ein Mensch ohne Blut ist tot; eine Stadt ohne Menschen ist tot

Und jetzt die Unterschiede:

  • Menschen können individuell entscheiden, wo sie hin wollen; Blutkörperchen nicht. 
  • Alle Blutkörperchen werden von einem Motor angetrieben: dem Herz; Menschen denken, sie müssten dies individuell tun: sie denken, sie müssten die Macht haben, entscheiden zu können, wie sie wann wie schnell auf welche Weise wohin fahren.

Wenn man nun diese letzten beiden Punkte ändert, ist man bei meiner Lösung: Nicht die Menschen müssen sich aus eigener Kraft (Autos) über einen statischen Grund bewegen, sondern ein beweglicher Grund befördert statische Menschen. Sie bekommen einen Motor für alle Einwohner: Ein Netzwerk aus Förderbändern, das auf die bestehende Infrastruktur aufgebaut wird. Mit verschiedenen Prioritäten/Geschwindigkeiten.

Vorbild: Blutbahn.

Unterschied: das Individuum kann immer noch entscheiden, wo es hin will.

Vorteil:  Die Menschen schleppen keine Stahlgehäuse mehr mit sich mit (um sich rum), die leer und zehn mal so groß sind wie sie selber -> mehr Menschen können auf der selben Fläche transportiert werden. Da das System zentral gesteuert ist, kommt es zu keinen Staus mehr. 

Und für diese Lösung hab ich also eine Art Teaser erstellt. Er soll Interesse wecken, sodass die Leute sich die Detail-Informationen auf der Info-Website holen. Viel Spaß. 

 

Natürlich: Feedback und Anregungen sind immer gern gesehen, in den Kommentaren. 

VETO: Crushing Digits #2

May 15th, 2008

So, nun ist es also angekommen und mehrfach gehört, das neue VETO-Album. Wie ich schon fast befürchtet hab, hatte ich in meinem vorigen Beitrag Unrecht: ein deutscher Vertrieb ist noch nicht in Sicht. Es wurde nun bei einem schwedischen Versand bestellt. Wer die Preise von Tonträgern dort kennt, weiß was das heißt. Mittlerweile habe ich auch günstigere Angebote auffinden können. Also wer das Album wie ich unbedingt physisch haben muss, kann das hier ordern für ca. 15,– inkl. Porto. 

Ob sich das lohnt? Ich sage: ja, auf jeden Fall; aber vielleicht sollte man das differenzieren. 

Auf ihrem ersten Album There Is A Beat In All Machines zeichnete sich VETOs Musik aus, durch die perfekte Kombination aus Progrock-Strukturen mit elektronischen Elementen, kombiniert mit dem fast schon intimen Gesang von Troels Abrahamsen. Ruhige Lieder gingen eher in Richtung Radiohead, die schnelleren in Richtung Bloc Party, obwohl beide Vergleiche irgendwie hinken. 

Dem neuen Album fehlen leider die ruhigen Lieder. Diejenigen, die kompromisslos unter die Haut gehen. Dennoch ist es ein absolut rundes Ding. Diese Band hat sich weiterentwickelt. Vielleicht hat es ja damit zu tun, dass ihr Sänger mittlerweile verstärkt in der Elektroszene unterwegs ist, als DJ und Solokünstler. Das merkt man den Liedern auf jeden Fall an. Viel mehr elektronische Elemente, auch eher Strukturen aus elektronischen Liedern. Natürlich gibt es noch Gitarre, diese wird allerdings fast nur noch als Soundelement eingesetzt, spielt keine tragende (im wörtlichen Sinne) Rolle mehr. Das kann man schade finden; oder konsequent. 

Nimmt man Crushing Digits als solches, ohne es zu vergleichen, ist es dennoch ein absolut empfehlenswertes Album. Immer noch schaffen es die VETO-Jungs, einen mitzunehmen, Stimmung zu erzeugen, gute Laune oder Energie zu verbreiten und Überraschungen in Liedern zu platzieren. Dass sie damit auf dem richtigen Weg sind, zeigt die ständig wachsende Hörerschaft. Ich weiß, dass das nicht repräsentativ ist, aber es vermittelt einen Eindruck: als ich VETO kennenlernte hatten sie ca. 1500 Hörer auf Last.fm. Heute sind es über 10 000. Im Heimatland Dänemark werden sie gerade kräftig gehypt [wie schreibt man das eingedeutscht überhaupt?], was natürlich auch mit ihrem Sony-Deal zu tun hat. Mal sehen, ob sie sich bis Deutschland durchsetzen. Verdient hätten sie das. Und wir auch. 

VETO – Crushing Digits

VETO: Crushing Digits in Concert

May 4th, 2008

Morgen ist es also soweit. Die von mir überaus geliebt und geschätzte Band VETO veröffentlicht morgen ihr zweites Album “Crushing Digits”. Anscheinend leider vorerst nur in Dänemark; doch da sie mittlerweile Sony/BMG hinter sich stehen haben, wird das Album doch sicherlich seinen Weg in internationale Gefilde finden. 

Just zum Albumrelease veranstaltete der dänische Sender P3 ein Radiokonzert: Veto spielt alte und neue Lieder, Support von DJ James Braun und Interviews auf Dänisch. Letztere kann man gerne überspringen, der Konzertteil lohnt sich aber wirklich. Hier gehts zum Webstream.