Mehr Sound, bitte!

August 27th, 2009

Beruflich habe ich bisher ja vor allem Webprojekte umgesetzt (siehe mueboe.de oder moizi.info). Doch so viel Reiz das auch haben mag, es gibt immer Teile der Arbeit, die auf Dauer nerven. Wenn irgendwelche Serverkonfigurationen nicht so wollen wie ich, Bugs unauffindbar sind oder die schön gestaltete Seite im Internet Explorer mal wieder aussieht wie Müll, dann freut man sich immer mal wieder neues und anderes machen zu können.

Wenn dann, wie zuletzt, Aufträge die Erstellung von Musik oder Sound beinhalten, fühlt sich für mich Arbeit direkt weniger nach Arbeit an. Schön. So soll das sein.

Resultat 1: Microsite für das Produkt “Porviva“. Innenarchitekten und Planer können hiermit sehr schöne Oberflächen gestalten. Mein Part war die Umsetzung der Seite in Flash und die Erstellung der Hintergrundmusik.

Resultat 2: Sounddesign für NeoDeco-Typoclip. NeoDeco ist eine Schriftart des relativ jungen Typo-Webshops Hype for Type. Mit der Zeit sollen die meisten ihrer Schriften in einer kurzen Animation vorgestellt werden. Ob ich mehr als diese eine vertonen werde ist noch unklar. Dennoch:

NEO DECO IDENT from HypeForType on Vimeo.

Um sich in etwa vorstellen zu können, was genau das Schwierige / die Herausforderung an der Arbeit ist, kann man den Ton leise drehen. Das war mein Startpunkt, bis zum Endergebnis tastet man sich dann Sekunde für Sekunde vor.

Vor allem nach dieser Erfahrung hoffe ich nun, dass ich beruflich in Zukunft mehr mit Klang zu tun habe. Vielleicht gibt es ja auch Dinge, die daran nerven; nur hab ich sie noch nicht entdeckt.

Also denn: Mehr Sound, bitte!

Nochmal Kreativität: Essenz der Gastvorlesung

June 3rd, 2008

Wir haben mal wieder im Rahmen des Moduls Creative Design etwas zum Thema des kreativen Denkens gehört. Diesmal aus keinem Videoschnipsel, sondern von einem echten Menschen, einem Gastredner: Luc De Schryver. Dummerweise weiß ich weder seinen Namen, noch steht dieser in irgendeinem Dokument. Schade, sonst hätte die ihn namentlich gelobt: selten hat es mir so Spaß gemacht jemandem über lange Zeit zuzuhören. Besonders sympathisch war mir, dass er es geschafft hat, die Leute bei der Stange zu halten, ohne in die klassische Rhetorik-ich-lern-Referat-halten-Trickkiste zu greifen, inkl. penibler Einhaltung der positiven Sprechebene etc. etc. Nein, bei ihm war das ganz natürlich und irgendwie eigen. Aber gut. Hier die Punkte, die es wert sind, erzählt zu werden:

  • Menschen verhalten sich immer nach bestimmten Mustern. Sie sind darauf trainiert worden. Sie wissen, dass man erst nach links und dann nach rechts guckt, wenn man über die Straße geht. Man denkt nicht darüber nach, es läuft einfach ab. Menschen tendieren ebenfalls Probleme zu lösen, indem sie auf bestimmte Muster zurückgreifen, oder in bestimmte Gedankenmuster fallen. Auf der Suche nach kreativen Lösungen auf bestimmte Fragestellungen helfen uns diese Muster nicht weiter, ja sie behindern uns sogar. Unter Zeitdruck und in Stresssituationen verfällt man einfach dem stärksten Verhaltensmuster. So lässt sich erklären, dass unter Stress keine wirklich guten Ideen entstehen.
  • In der heutigen Welt der ständigen und rapiden Veränderung fährt man sicher, wenn man auf jede Fragestellung mindestens drei gute Lösungen hat. Es gibt nicht die Lösung auf ein Problem und verschiedene Auftraggeber/Kunden haben verschiedene Präferenzen, von denen man vorher nichts wusste.
  • Kreativität beruht auf 3 Faktoren: Wissen, Fantasie und Abwägung (Knowledge, Imagination, Evaluation). Kreativität ist nichts was manche haben, manche nicht. Sie ist angeboren, alle Kinder sind kreativ. Sie haben eine vitale Fantasie. Diese wird dann während der Schullaufbahn abtrainiert. Es gibt für alles und jedes ein Richtig oder Falsch. Und so verlernen die meisten einen essentiellen Teil der “Formel Kreativ”: die Fantasie.
  • Zu guter letzt, und das fand’ ich ganz interessant: Feedback. Man kennt das problem, dass man eine Idee der Gruppe vorschlägt und die Idee sofort totdiskutiert wird. Es gibt sogar eine neurologische Begründung dafür: man hat in Hirntests beobachtet, welche Hirnregionen bei negativem und welche bei positivem Feedback aktiv sind. Das Resultat: negatives Feedback beansprucht lediglich den Hirnstamm, funktioniert also eher instinktiv; positives Feedback hingegen beansprucht den Frontallappen (zuständig für zB logisches Denken); es ist also mit mehr Hirnaktivität verbunden, positives Feedback zu geben. Na also. Hätten wir uns doch denken können. Es ist die Bequemlichkeit die uns die Gruppenmeetings zäh werden lässt.
    Zu guter letzt gab es noch 3 Feedbackregeln, für alle Leute die häufig Feedback geben müssen: ALU

    • Advantages: Man beginnt immer mit den Vorteilen der gezeigten Lösung. Auch wenn es bei wirklich schlechten Vorschlägen am Anfang schwer scheint, überhaupt einen zu finden. Es lohnt sich.
    • Limitation: Was sind die Schwächen des Problems? Diese werden aber nicht aufgezählt, sondern in W-Fragen verpackt. Also: Was muss man am Design ändern, damit das Einrad nicht mehr umkippt? (Achtung: Beispiel!)
    • Unique: Was macht den Vorschlag einzigartig?

    wenn mann es dann immer noch nicht schafft, eine Idee zu verwerten, war sie wohl wirklich schlecht. Aber immerhin war die Qualität eine andere, als die der bekannten Art-Director-Methode: *Entwurf-auf-den-Boden-schmeiß-drauf-rumstampfen* und schreien: “Scheiße! Neu!

TuneGlue: Landkarte der Musik

June 1st, 2008

Ich weiß, die Applikation ist nicht neu, und die Chance besteht, dass sie viele schon kennen. Ich hatte aber neulich im Rahmen einer größer angelegten Prokrastinationswelle so viel Spaß mit dieser kleinen Flash-Anwendung, dass ich dachte, man müsse diese noch einmal erwähnen. 

TuneGlue

Bei TuneGlue handelt es sich um eine Art semantisches Netz von Musikern und Künstlern. Im Prinzip ist es lediglich eine Visualisierung von Datensätzen. Datensätze, die etwas darüber aussagen, inwieweit sich Künstler ähnlich sind oder auch nicht.  Sie sind bereitgestellt von den zwei größten Sammlern dieser Daten: Last.fm und Amazon. Über die Jahre sind diese Informationen immer präziser geworden, und so kann man sich das Ergebnis nun anschauen. 

Man startet mit einem beliebigen Künstler, in meinem Beispiel jetzt Lamb. Man klickt auf die Schallplatte, auf ‘Expand’ und es ordnen sich 6 weitere Künstler um den ersten an. Sie stehen in enger Verbingung, repräsentieren die “Similar Artists” von Last.fm. Öffnet man die nächste Verbindung, erschließt sich einem das Prinzip: Ähnliche Künstler ziehen sich an, Unähnliche stoßen sich ab. Das war’s eigentlich schon. Dieses Spiel des Aufklappens von Musikverknüpfungen kann man nun beliebig lange weiterführen, bis an die Grenzen der eigenen Rechnerleistung (Flash kann sehr hungrig sein…).  

Was zunächst wie Spielerei klingt, lohnt sich dennoch mal konsequent durchzuführen. Bei einer Menge von mindestens 100 offenen Künstler-Knotenpunkten ergibt sich bereits eine Art Landkarte. Und das ist wirklich interessant. Dann kann man einzelne Länder ablesen: Im Westen sammeln sich die Trip-Hopper, im Osten die ganzen weiblichen Solokünstlerinnen, wandert man Richung Norden geht’s Richtung Post-Rock, und so weiter.

Haben sich einmal diese verschiedenen Inseln gebildet ist es sehr aufschlussreich nach den entscheidenden Verbindungsknoten zu schauen. Also welche Künstler als Bindeglied zwischen den sonst so verschiedenen Musikhörerschaften und Szenen fungieren. Welche Künstler treiben einen Keil in die bestehende Landschaft? Welche Künstler verbinden den Norden mit dem Süden?

TuneGlue-Map ausgegangen von Lamb

Fazit: diese Applikation ist nicht nur für Musikbesessene wie mich interessant, um die verschiedenen Abhängigkeiten und Verbindungen der einzelnen Szenen abzulesen. Es ist auch denkbar, dass vor allem ältere Leute daran Spaß haben könnten, die nicht täglich mit Diensten wie Last.fm umgehen, da es für sie erst recht eine neue Erfahrung ist, ihre Lieblingskünstler so verknüpft zu sehen. Und zu guter letzt können Großeltern ihren Enkelkindern wieder Musik schenken, ohne dass es peinlich wird.   

Das neue Last.fm: Öffentliche Beta-Phase gestartet.

May 21st, 2008

Na gut, nicht so ganz öffentlich. Zugang haben nur Subscriber, dh. Leute die monatlich Extra-Features bezahlen. Trotzdem: jetzt ist die Katze aus dem Sack. Damals, während unseres Semesterprojekt mit Last.fm hatten wir das schon teilweise gesteckt bekommen, dass die einen größeren Relaunch starten, und dass alles neu wird; wir durften das aber nicht publik machen. Dementsprechend gespannt war ich auch immer, endlich was zu Gesicht zu bekommen. Heute schrieb dann das Last.fm-Blog

We’re still working as hard as ever halfway through 2008, laying the foundations for a next-generation Last.fm. We’ve modernised the Audioscrobbler engine that powers the site, and have been exploring new ideas aligned with the different ways music on the internet works today.

Mit Spannung auf beta.last.fm geklickt und: Was bitte? Das soll Last.fm sein? Auf den ersten Blick (und immer noch) kann ich mich mit der neuen Gestaltung nicht so ganz anfreunden. Es sieht ein bisschen so aus, als wären die ein bisschen viel auf Facebook gewesen. Neuerdings sind alle Links Cyan, und die ganze Struktur, der Aufbau, erinnert an Facebook. Es wirkt alles sehr modular: Module übereinander gestapelt. 

Was ich beim alten Design auch immer sehr geschätzt habe: jegliche Community-Features sind sekundär, an den Randspalten: Auf dieser Seite geht es weniger um Chatten, als um die Musik. Demnach gab es auf der Profilseite keine Hobbies zu sehen, sondern die Lieblingsmusik der User. Das ist natürlich immer noch so, eine so starke Priorisierung vermisse ich aber neuerdings. Die Shoutbox ist jetzt so wie in Facebook unten, über die ganze Breite, prominent. Ah, wo wir bei Facebook sind, natürlich gibt es jetzt auch einen Acitivity-Feed mit neuen Aktivitäten aus dem Netzwerk. Kurzum, was mir ein bisschen fehlt ist, auf ein Profil zu gehen und auf einem Blick zu sehen: “ah Foto, achso, diese Musik hört der also, und auf diese Konzerte geht er.” Meiner Meinung nach ist das jetzt ein bisschen versteckter.

Man muss das Design aber auch ein wenig verteidigen, denn was die Masse der zu bewältigenden Informationen und Daten angeht, möchte ich nicht unbedingt mit Last.fm tauschen. Es ist wirklich nicht einfach aus diesem riesen Daten-Jungle ein klares und konzentriertes Interface zu bauen. Hier ein Screenshot (ich hoffe ich darf das überhaupt, da sie aber in ihrem Post geschrieben haben: “Give your family and friends a peek too, and tell us what they think.”), denke ich das geht klar. 

Screenshot von beta.last.fm

Ich habe aber auch schonmal Präsentationen von Hannah Donovan (Head of Creative) gesehen, in denen in großen Lettern proklamiert wurde:

Form follows function! Form EVER follows function!

Und da ist was dran. Und was neue Funktionalitäten angeht, kann man sagen: Fein. Sehr schön. Ich freue mich auf das was kommt. Grober Abriss der Neuerungen:

 

  • die Library: das komplette und allumfassende Archiv meiner kompletten Musikhör-Vergangenheit. Übersichtlich und mit großen Fotos kann man hier sehen, was man sich irgendwann mal angehört hat. Sortiert nach allen möglichen und sinnvollen Kriterien
  • Ajax-Spielereien: na gut, dass sind keine wirklichen Funktionen, trotzdem nett.
  • Möglichkeit, mehrere Playlists anzulegen 
  • Player: der neue Player ist größer, immer an der selben Stelle und funktioniert wirklich viel besser als der alte.
  • Verbesserte Charts: man muss nicht mehr 7 Tage warten, um seine Musikstatistiken zu bekommen. Neuerdings werden diese in Echtzeit aktualisiert. Außerdem hat man direkt die verschiedenen Zeiträume verfügbar: Artists der letzten 7 Tage, 3 Monate, Overall etc.

 

Es gibt da bestimmt noch Neues, das ich noch nicht entdeckt habe, aber so viel steht fest: Last.fm wappnet sich steigender Konkurrenz im Online-Musikplattform-Markt. Insgesamt also doch ein sehr positiver Eindruck; obwohl ich am Anfang doch enttäuscht war, dass die jetzt also auch so aussehen, wie alle anderen Seiten heutzutage auch aussehen. Aber es ist ja auch erst die Beta-Phase, es gibt also noch viel Zeit die ganzen Details zu klären. Also liebe Last.fm’ler, weiter so, ich bin gespannt!

 

[UPDATE]

Vorhin noch ein leicht verstecktes, aber sehr geniales Feature entdeckt: es gibt im neuen Last.fm die Möglichkeit, alle automatisch empfohlenen Lieder, die zum freien Download zur Verfügung stehen, als Podcast zu abonnieren. So hat man quasi einen direkten Stream von der Empfehlungsseite in (bspw) die eigene iTunes-Bibliothek. Das gefällt. 

Die Außenwerbungsformel: Rätsel gelöst?

May 16th, 2008

Damit es hier mal nicht so ganz Musiklastig wird, kommen wir nun zu etwas völlig anderem: Werbung, Plakate und der Mensch der da drauf gucken soll, wenn es nach den Machern geht. Leider passiert das sehr selten. Nur warum, und wann tut man’s denn? Ich stelle hiermit eine These auf: 

Aufmerksamkeit = Plakatgröße × Aggressivität der Farben = Konstant

Der Physiker sollte auf die Maßeinheiten verzichten und anerkennen, dass es sich um eine Annäherung handelt. Also Beispiel: Die Plakatgröße ist ‘10′, die Farbaggressivität ist ‘10′. Multipliziert ergibt das 100% Aufmerksamkeit: jeder guckt hin. Verkleinert man das Plakat wird es schneller übersehen. Dreht man am Farbaggressivitätsregler kann man die Einbüßen wieder wett machen. In der Mathematik würde der Graph eine Gerade ergeben.  

Falls das zu abstrakt ist, tut es mir leid. Vielleicht hilft es ja zu erklären, wie ich auf sowas komme: Ich fand in einer alten Kiste auf dem Dachboden einen Brief aus meiner (frühen Schulzeit). Da bewarb sich ein junger Engländer um einen Platz im Austauschprogramm. Handgeschrieben. Auf Papier. Farbig. So farbig, dass es weh tut. So krass neon-orange-farbig, dass man meint es leuchtet im Dunkeln. Aggressiv halt.

Dann wollte mir eine Freundin neulich die Plakate der neuen Jägermeister-Kampagne zeigen. Aus einem fahrenden Auto. Sie hat mich mehrfach drauf hingewiesen, ich solle doch schauen; habe es aber nicht finden können. Beim dritten mal tat ich es. War ja klar warum dann erst: blasse Pastellfarben in A2. Kein Jägermeister, aber auch keine Aufmerksamkeit von mir. Geht vollkommen unter im sonstigen Litfasssäulen-Geklebe. 

Diese zwei durchaus prägenden Schlüsselerlebnisse brachten mich zu dieser waghalsigen These. Macht damit was ihr wollt, das Ziel ist die Erkenntnis.