Grobe Idee für pädagogisches Gruppenspiel

September 8th, 2009

Bei Aufräumarbeiten auf meinem Rechner fand ich ein paar Stichpunkte, die grob ein “Spiel” umreißen, das eventuell zu gruppenpädagogischen Zwecken benutzt werden könnte. Ich werde nun einfach unkommentiert die Stichpunkte hier posten, vielleicht kann man die Idee ja über die Kommentare weiterspinnen…

  • Ausgangssituation: Eine Gruppe (Dreierteam) muss zu einem Ziel finden. Auf dem Weg dorthin darf an jeder Kreuzung das nächste Gruppenmitglied entscheiden, wohin man weitergeht. Man darf sich jedoch nicht über das Spiel selbst unterhalten / nicht auf die Meta-Ebene gehen (evtl. muss eine neutrale Person zur Kontrolle mitgehen)
  • Herausforderung ist, trotzdem zum Ziel zu finden.
  • Nur eine Person weiß, wo das Ziel ist, darf aber niemandem sagen, dass sie es weiß. Auch nicht dass es ein Ziel gibt. Der Anführer muss versuchen die Gruppe dennoch ans Ziel zu bringen.
  • Der Gedanke dahinter: man muss lernen sich Gruppenentscheidungen zu beugen, auch wenn man ein genauen Plan vom Weg dorthin hat.
  • Die Schwierigkeit: bei der Aufstellung des Spiels muss gewährleistet sein, dass gewisse Gruppenmitglieder eine Motivation entwickeln, dass ihr gewählter Weg der richtige ist, und man diesen wählen sollte. Der Lerneffekt tritt ein, wenn man sich wiederholt der Gruppenentscheidung beugen muss und im Endeffekt trotzdem ans Ziel gelangt.

Verschiedene Optionen

  • Es gibt keinen Anführer, alle wissen wohin sie gehen müssen
  • Es gibt drei Anführer: jeder weiß vom Ziel, denkt aber die anderen wissen es nicht.
  • Es gibt drei Anführer: jeder weiß von einem anderen Ziel
  • Es gibt 2 Anführer: gleiches Ziel / unterschiedliches Ziel
  • Es treten mehrere Gruppen gegeneinander an. Welche findet unter gleichen Vorraussetzungen zuerst das Ziel? Wenn jede Gruppe andere unsichtbare Hierarchien hat: welche kommt dann zuerst ans Ziel?

Moers Festival: Improvisierte Musik als Lösung aller Probleme

June 4th, 2009

Über Pfingsten war ich auf dem diesjährigen Moers Festival. Wer es nicht kennt: Schwerpunkt liegt stets darin, neue Strömungen und Musiken zu präsentieren, die im Grenzbereich von Jazz, Pop und Rock liegen. Großgeschrieben werden hier Experiment und Improvisation – wer hier herkommt sollte offen sein für ungewohntes, versuchen sich einzulassen auf Klänge, die man bis dato entweder nicht mochte oder nicht verstand. (Natürlich gibt es als Ausgleich auch jede Menge “accessible music”).

Parallel zum Hauptprogramm gibt es diverse kleinere Veranstaltungen, unter anderem die Morning Sessions: Hier werden für jeweils zwei Stunden an drei Orten Musiker zusammengewürfelt, die sich bis dato nicht kannten. Meist sind das Musiker von Hauptacts des Festivals, sie kommen aus der ganzen Welt und stehen in den Sessions auf der Bühne, um gemeinsam zu improvisieren. Was man dann zu sehen bekommt ist glückssache. Es kann sein, dass nichts entsteht, mit dem man so richtig was anfangen kann. Aber in diesem Jahr waren die Morning Sessions für mich eins der absoluten Highlights.
Es macht einfach Spaß zu sehen, wie etwas so wunderbares entsteht – vor seinen Augen, und man weiß, dass jeder einzelne auf der Bühne gerade genauso entzückt und positiv überrascht ist, über das was ungeplant und spontan plötzlich da ist.

Während ich da saß und dem Treiben zuschaute kam mir die Erkenntnis: Improvisierte Musik ist die Lösung auf alle Fragen!

Morning Session Dunkelzelt

Naja, nun gut. Vielleicht nicht ganz. Aber wenn jeder Deutsche die Fähigkeiten hätte, die diese Musiker haben, hätten wir ganz gewiss weniger Probleme in unserer Gesellschaft. Was ich meine: Dieses Setup kann man als Metapher sehen. Da stehen Menschen auf der Bühne, die sich auf eine Sprache geeinigt haben, über die sie kommunizieren und interagieren: Musik. Menschen die sich vorher nicht kannten, aber wissen, dass sie gemeinsam etwas entstehen lassen müssen. Sie wissen darum, dass nur etwas entstehen kann, wenn sie gemeinsam im Einklang agieren. Sie wissen darum, dass die Summe mehr ist als die einzelnen Teile. Der Pianist weiß einfach, dass es manchmal angebracht ist, einfach nicht zu spielen und zu warten. Warten, bis sein Element wieder ein Gewinn fürs große Ganze ist. Er weiß aber auch, das es manchmal nötig ist, nach vorne zu preschen. Den anderen, die gerade auf der Suche sind eine Richtung zu geben. Dominant zu sein. Er tut dies aber nicht ohne darauf zu achten, dass er die anderen nicht verliert. Es geht ständig nur um das Ganze, der einzelne ist nur ein kleines Zahnrad, das sich unterordnet.

Wenn alle Menschen so ein Feingefühl aufzuweisen hätten, wäre das definitiv ein Gewinn. Aber das ist natürlich Utopie. Wie sähe so eine Improvisation aus, wenn man die Maximen der Realität anwendet? Zunächst fangen alle an zusammenzuspielen. Doch dann merkt der Gitarrist, dass man ihn besser hört, wenn er lauter spielt. Er nimmt einen Verstärker zur Hilfe und trumpft über alle leiseren unverstärkten Instrumente. Doch Schlagzeug und Blasinstrumente hört man immer noch – größerer Verstärker muss her. Er verbraucht den ganzen zur Verfügung stehenden Strom, sodass die anderen keine Chance mehr haben sich irgendwie Gehör zu verschaffen. Und voilà: Solokonzert des Gitarristen.

Troels Abrahamsen bringt es in seinem Track ganz gut auf den Punkt: “You have to be more like a collider”.

Wenn also improvisierte Musik und ein gutes Miteinander funktionieren sollen, muss sich jeder Akteur über das große Ganze im klaren sein. Er kann in drei verschiedenen Modi operieren:

  1. leise sein / sich zurücknehmen / warten / passiv sein
  2. mitgehen / das bestehende mittragen / nicht fallen lassen
  3. laut sein / nach vorne preschen / eine Richtung weisen

Sobald einer der Akteure nicht weiß, dass all diese Elemente im Wechselspiel zueinander stehen, leidet das Ganze. Wenn zu viele gleichzeitig denselben Modus fahren leidet das Ganze.

Morning Session Dunkelzelt

Problembewusstsein und Verantwortung

March 24th, 2009

Nach meinem letzten Beitrag blieb das Bedürfnis, klarer zu machen, was ich eigentlich sagen wollte. Hier und in den nächsten Beiträgen nochmal strukturiert:

Ich will nicht aufzählen, was die Welt für Probleme hat, das würde den Rahmen sprengen. Ich geh davon aus, dass jeder Leser hier bestimmt genug einfällt, seien es nun soziale, ökologische oder ökonomische Probleme. Global gesehen, aber auch national, regional und lokal.

Wächst man als halbwegs wacher Mensch auf, bekommt man im Laufe seiner Jugend mit, dass irgendwas mit der Welt nicht stimmt. Das Problembewusstsein fängt an sich zu formen, wenn man z.B. Bettler auf der Straße sieht oder (häufig in Jugendzeitungen) von Tierversuchen/Umweltsünden liest. Auf der Straße schauen hungernde afrikanische Kinder von Plakatwänden herab. Das alles verschafft einem Heranwachsendem Unbehagen, doch kann man das noch sehr leicht  wegschieben. Zum einen kann man da ja nichts für, zum anderen sollen sich die Erwachsenen darum kümmern.

Die Frage ist: Darf man – wenn man älter wird – weiterhin denken, dass einen das pauschal nichts angeht? Wenn man mehr lernt, mehr sieht, ein Gespür dafür bekommt wie groß das Ausmaß der Problematik ist? Kann man eine Verantwortung in die man reinwächst einfach ablehnen? Auch wenn ich nicht wirklich viel mit den Ärzten anfangen kann, so hatten sie wohl mit einer Zeile recht:

Es ist nicht deine Schuld, dass die Welt ist wie sie ist.
Es ist nur deine Schuld, wenn sie so bleibt.

Normalerweise geht mit dem Hören solcher Statements ein Ohnmachtsgefühl einher: “Was soll ich denn schon anrichten? Ich hab doch gar keinen Einfluss / nichts zu sagen.”

Die Antwort wäre: Natürlich kannst du als Einzelperson nicht mit einem Schlag irgendwas verändern. Es reicht vollkommen, wenn du einen kleinen Beitrag leistest, einen Misstand zu bekämpfen, der dir besonders wichtig erscheint! Oder indem du einfach nur hilfst ein Bewusstsein zu schärfen.

Problematisch wird es, und das brachte mich letztens so in Aufruhr, wenn Menschen Egoismus nicht nur ausüben, sondern auch laut proklamieren; stolz darauf sind, sich einen Dreck zu scheren um Mitmenschen und die nachfolgenden Generationen.

Die Welt ist kaputt

March 12th, 2009

Die Welt ist kaputt. Scheiße mann. Was für ein richtig beschissener Zustand. Überall.
Die Welt ist kaputt, weil der Mensch das herrschende Geschöpf ist. Menschen mit der Gabe von Empathie, auf der anderen Seite durchzogen von Egoismus. Natürlich. In erster Linie ist das hier mein Leben. Und wenn ich alle Baustellen hier vor Ort gefixt hab, kann ich mich ja um andere kümmern.

Die jungen Menschen laufen dem Geld hinterher. Schön Networken. Schön Business. Und später schön ein gutes Auto kaufen. Sich auch mal was gönnen. Natürlich.

Neulich bei Twitter-Search “Bruttosozialprodukt” eingegeben. Folgenden Tweet gefunden: @fragezeichner:

Das Bruttosozialprodukt misst alles, nur nicht das, was das Leben lebenswert macht (JF Kennedy).

Junge Menschen, die Geld als Ziel im Leben haben, tun mir nicht nur leid, sondern werden irgendwann aufwachen und sich fragen, was sie überhaupt die ganze Zeit angestellt haben. Wofür haben sie sich abgehetzt? Schön den Lebenslauf gespickt mit kleinen Einträgen, die sich ja ach so gut machen: Auslandsaufenthalt hier, wichtige elitäre Sonderschulung da. Um nicht zu sagen: Angepasstheit überall.

Wenn man die Dinge nicht versteht, die in der Welt abgehen, muss man sich ja auf andere verlassen. Leuten glauben schenken, die einem sagen wie man sich zu verhalten hat. Man übernimmt für sich einfach Ziele, die einem diktiert werden. Und ordnet sich später irgendeiner Firma unter; der Aufstieg innerhalb derer als vollwertiges Substitut für eigene Ziele im Leben übernommen wird.

Oh wie ich die Faust geballt habe, als mein damaliger vollkommen ignoranter und in seiner Weltsicht unglaublich beschränkter BWL-Dozent alle Leute als “Hippies” bezeichnete, die ernsthaft Zustände anprangern. Oh Lord, natürlich. Das ist ein Weg damit umzugehen. Ignoranz. Aber nicht Ignoranz aus Dummheit, sondern Ignoranz aus Arroganz und Überheblichkeit.
Man will diese Materie nicht an sich heranlassen. Kleine Geister verkraften das nicht.

Ich behaupte gar nicht, dass ich vermag die Welt zu verändern. Und sobald man das sagt klingt das schon so, wie die Großmutter, die ihrem Enkel tätschelnd über den Kopf streicht: “Jaja, damals haben wir auch versucht die Welt zu verändern.”
Das ist nicht das Ziel. Und so naiv bin ich nicht. Ich finde aber durchaus, dass es Zeit ist, dass sich die Leute damit beschäftigen, die intellektuell dazu potentiell in der Lage sind. Jeder sollte sich fragen: Gibt es etwas, dass in meinem Einflussbereich liegt? Etwas, das ich tun kann, sodass die Welt einen kleines bisschen weniger beschissen ist? Was ist meine Kompetenz? Kann man die außer für Geld noch in etwas Positivem verwerten?

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Die Motivation für den unstrukturierten und unreflektierten Beitrag hab ich von diesem Herren hier (Positivbeispiel):

Resultat seiner Arbeit:

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“Die Welt ist kaputt” – Zitat aus “Lachen und Chill’n” – Psycho Otaku

Tiefere Ursachen der Weltfinanzkrise

October 29th, 2008

Ist es nicht sonderbar? Die momentane Finanzkrise betrifft alle und wird doch von den wenigsten verstanden. Ich will mir gar nicht anmaßen, alles in aller Tiefe zu verstehen, doch fällt es diesmal besonders leicht sich rauszureden. Ja selbst viele Bankangestellte verstanden nicht immer, was sie da eigentlich verkauften. Wie sollen wir das dann tun? Also einfach darauf vertrauen, dass diejenigen, die das “Fachwissen” haben, die Krise schon lösen. 

Vor ca. einem Jahr wurde ich das erste Mal aufmerksam auf die Zusammenhänge im bestehenden Geldsystem. Ich sah ein Video, das sehr anschaulich erklärt, wo das Geld eigentlich herkommt, das wir tagtäglich benutzen. Kurzfassung: private Banken haben die staatliche Legitimation in bestimmten Maßen Geld zu erschaffen! Private Banken! 
Ich war wirklich schockiert und habe versucht Leuten in meinem Umfeld davon zu erzählen. Doch wie das so oft ist, warum soll man sich im Alltag irgendwelchen dubiosen Internetvideos widmen, die wie eine Verschwörungstheorie daherkommen? Die die komplette Grundlage der aktuellen Gesellschaft in Frage stellen? Nein, bin grad von der Arbeit gekommen und müde, wann anders ja?

Doch mich hatte die Problematik gepackt. Ich erfuhr von der zerstörerischen Wirkung des Zinses, davon wie sehr Real- und Geldwirtschaft auseinanderdriften, wie sehr die Zinslast vergangener Generationen die aktuelle Gesellschaft belastet. Wie konnte das bitte sein, dass unser “Wohlstand”, unsere Existenz auf einem System basiert, dem der Kollaps einprogrammiert ist? Weiß das denn keiner? 

Und dann kam auch bei mir wieder der Alltag. Natürlich habe ich diese ganze Sache nicht vergessen, und auch nicht verdrängt; einfach zunächst aufs Eis gelegt. 
Und dann Finanzkrise. Ich habe mich wirklich nicht gewundert. Für mich war von Anfang an klar, dass die Finanzkrise eine Systemkrise sein muss, und dass jetzt einfach nur das zutage kommt, was unter der Oberfläche brodelte. Doch wieder: von den oben erwähnten Problematiken war in der Öffentlichkeit nicht wirklich die Rede. Um so glücklicher war ich, als ich dann heute folgenden Vortrag zugespielt bekommen hab (danke David!). 


Ich bin schon vorher mal über einen Vortrag von Bernd Senf gestolpert und schon damals sprach er mir aus der Seele. Und hier erklärt er die oben erwähnten Zusammenhänge nochmal mit Blick auf die momentane Krise. 

Wenn ich mir das genauer überlege kann ich gar nicht fassen, dass dies keine Inhalte sind, die weit verbreitet sind. Eigentlich sollte sowas jeder wissen, jeder in der Schule beigebracht bekommen. Ich frage mich warum dieses Wissen nicht zur Politik hochschwappt. Vielleicht ist es das ja bereits und es wird nicht thematisiert, weil man sich Machtlosigkeit eingestehen müsste.

Wenn also die momentane Krise eine systemimmanente Krise ist, ist es nur eine Frage der Zeit bis die nächste kommt. Das 500 Milliarden-Paket ist also wie ein Pflaster zu verstehen, dass die akute Blutung stoppt, die Wunde aber niemals heilen wird. 

Und wenn es so ist, dass die Menschheit als Ganzes nachhaltige Klugheit wohl nur aus Fehlern erhalten kann… wieviele Finanz- und Wirtschaftskrisen brauchen wir dann noch, um die wahren Ursachen anzupacken?

Lebenslüge der Ökonomen #1: Wachstum

June 6th, 2008

Eines Tages saß ich als Gast in einer Vorlesung meiner Schwester. Modul: Personalmanagement. Sagte die Dozentin in irgendeinem einleitendem Nebensatz, dass für einen Betrieb Wachstum das einzige Ziel sein könne [weiß den Wortlaut leider nicht mehr genau]. *Pfff* machte ich, nicht ganz einverstanden mit dieser Aussage, aber auch keine Motivation als Gast in einer fremden Vorlesung Grundsatzdiskussionen loszutreten. 

Die Wochen davor hatte ich mich ein bisschen VWLerisch mit dem Gesamtzusammenhang dieses ständigen Strebens nach Wachstum beschäftigt. Natürlich: ich persönlich will immer reicher, immer schöner, immer wichtiger werden. Ob das die anderen auch denken? Mir doch egal! 
Übertragen auf die Wirtschaft heißt das aber, jedes einzelne Glied in diesem riesigen Netzwerk von “Wertschaffern” will wachsen. Wenn jeder einzelne nach Wachstum strebt, wächst das Gesamtvolumen ebenfalls. Alle werden gemeinsam schwerer. Das Problem an der Sache: Wirtschaft ist noch linear: Das heißt ein Rohstoff wird “geerntet”, verarbeitet, benutzt, weggeschmissen. An der Stelle wo vorher der Rohstoff war (Baum, Kohle, Öl, etc.) ist von nun an kein Rohstoff. Der ist nun auf den Straßen von Neapel zu finden. 

Exponentielles Wachstum heißt: dieser Prozess findet immer häufiger und immer schneller statt. Der Egoist, auf Wachstum bedacht, merkt nicht, dass er in einem Boot mit allen anderen sitzt. Exponentielles Wachstum kann einfach nicht für immer fortlaufen, das geht in einer Welt mit begrenzten Kapazitäten (Raum, Rohstoffe, Nahrung etc.) nun mal einfach nicht. Dieses Boot wird einfach irgendwann untergehen, weil es zu schwer geworden ist. Nur wann, das ist die Frage.

Aber: zu meinen Lebzeiten wird das noch nicht passieren. Deswegen kann ich mich ja zurücklehnen und mich auf mein persönliches Wachstum konzentrieren. Wird schon alles.

Kann man jetzt verstehen, warum ich *Pfff*-te? Ich hoffe, ja. Wenn nicht, nehmt euch bitte 20 Minuten Zeit und schaut dieses Video. Das zeigt eine ganze Reihe von Aspekten. Und man kann die Frau mögen oder nicht, aber die Quintessenz dieses Videos ist nicht wegzudiskutieren: Es wird so nicht für immer weitergehen können!

Über dieses Thema könnte ich noch eine Weile schreiben, aber was mich eigentlich dazu gebracht hat war ein Blogpost der Firma 37signals (Macher des fabelhaften Basecamps). Es gibt also auch erfolgreiche Firmen mit etwas mehr Weitblick. Zwar nicht bezogen auf den großen Kontext, doch der Kleine reicht auch schon. Sie schreiben:

Popular perception holds that companies must always be growing or they’re dying. There’s either up or down, win or lose, success or failure. I think that’s a harmful dichotomy that leads to the death of perfectly viable companies in their quest for constant growth. [...]

Chasing growth as an end in itself makes it all too easy to give up optimizing for today: “When we break 5 million dollars, we’ll start working less”, “when we’re 50 people, we’ll start giving more back to open source”. Bah. Growth begets growth and you’ll end up chasing even bigger numbers and never have the time to do what you really want.

Oh, wie ich diesen letzten Satz küssen könnte: Wachstum hinterherhächeln hält dich permanent davon ab, das zu tun, was du wirklich (!) willst. Ist das Glück? Macht sowas glücklich?

Nochmal Kreativität: Essenz der Gastvorlesung

June 3rd, 2008

Wir haben mal wieder im Rahmen des Moduls Creative Design etwas zum Thema des kreativen Denkens gehört. Diesmal aus keinem Videoschnipsel, sondern von einem echten Menschen, einem Gastredner: Luc De Schryver. Dummerweise weiß ich weder seinen Namen, noch steht dieser in irgendeinem Dokument. Schade, sonst hätte die ihn namentlich gelobt: selten hat es mir so Spaß gemacht jemandem über lange Zeit zuzuhören. Besonders sympathisch war mir, dass er es geschafft hat, die Leute bei der Stange zu halten, ohne in die klassische Rhetorik-ich-lern-Referat-halten-Trickkiste zu greifen, inkl. penibler Einhaltung der positiven Sprechebene etc. etc. Nein, bei ihm war das ganz natürlich und irgendwie eigen. Aber gut. Hier die Punkte, die es wert sind, erzählt zu werden:

  • Menschen verhalten sich immer nach bestimmten Mustern. Sie sind darauf trainiert worden. Sie wissen, dass man erst nach links und dann nach rechts guckt, wenn man über die Straße geht. Man denkt nicht darüber nach, es läuft einfach ab. Menschen tendieren ebenfalls Probleme zu lösen, indem sie auf bestimmte Muster zurückgreifen, oder in bestimmte Gedankenmuster fallen. Auf der Suche nach kreativen Lösungen auf bestimmte Fragestellungen helfen uns diese Muster nicht weiter, ja sie behindern uns sogar. Unter Zeitdruck und in Stresssituationen verfällt man einfach dem stärksten Verhaltensmuster. So lässt sich erklären, dass unter Stress keine wirklich guten Ideen entstehen.
  • In der heutigen Welt der ständigen und rapiden Veränderung fährt man sicher, wenn man auf jede Fragestellung mindestens drei gute Lösungen hat. Es gibt nicht die Lösung auf ein Problem und verschiedene Auftraggeber/Kunden haben verschiedene Präferenzen, von denen man vorher nichts wusste.
  • Kreativität beruht auf 3 Faktoren: Wissen, Fantasie und Abwägung (Knowledge, Imagination, Evaluation). Kreativität ist nichts was manche haben, manche nicht. Sie ist angeboren, alle Kinder sind kreativ. Sie haben eine vitale Fantasie. Diese wird dann während der Schullaufbahn abtrainiert. Es gibt für alles und jedes ein Richtig oder Falsch. Und so verlernen die meisten einen essentiellen Teil der “Formel Kreativ”: die Fantasie.
  • Zu guter letzt, und das fand’ ich ganz interessant: Feedback. Man kennt das problem, dass man eine Idee der Gruppe vorschlägt und die Idee sofort totdiskutiert wird. Es gibt sogar eine neurologische Begründung dafür: man hat in Hirntests beobachtet, welche Hirnregionen bei negativem und welche bei positivem Feedback aktiv sind. Das Resultat: negatives Feedback beansprucht lediglich den Hirnstamm, funktioniert also eher instinktiv; positives Feedback hingegen beansprucht den Frontallappen (zuständig für zB logisches Denken); es ist also mit mehr Hirnaktivität verbunden, positives Feedback zu geben. Na also. Hätten wir uns doch denken können. Es ist die Bequemlichkeit die uns die Gruppenmeetings zäh werden lässt.
    Zu guter letzt gab es noch 3 Feedbackregeln, für alle Leute die häufig Feedback geben müssen: ALU

    • Advantages: Man beginnt immer mit den Vorteilen der gezeigten Lösung. Auch wenn es bei wirklich schlechten Vorschlägen am Anfang schwer scheint, überhaupt einen zu finden. Es lohnt sich.
    • Limitation: Was sind die Schwächen des Problems? Diese werden aber nicht aufgezählt, sondern in W-Fragen verpackt. Also: Was muss man am Design ändern, damit das Einrad nicht mehr umkippt? (Achtung: Beispiel!)
    • Unique: Was macht den Vorschlag einzigartig?

    wenn mann es dann immer noch nicht schafft, eine Idee zu verwerten, war sie wohl wirklich schlecht. Aber immerhin war die Qualität eine andere, als die der bekannten Art-Director-Methode: *Entwurf-auf-den-Boden-schmeiß-drauf-rumstampfen* und schreien: “Scheiße! Neu!

Edward de Bono: Wahre Worte, Kreativität und anders denken

May 19th, 2008

Im Zuge meines Studienmoduls “Creative Design” haben wir dieses Video gesehen. Dr. Edward de Bono ist wohl so eine Art Guru im Bereich kreativen Denkens. Eine Stelle im Video hat bei mir sehr stark gewirkt. Schaut es euch an und passt bei Minute 1.25 besonders gut auf…

…on being different:

One of the very important things about creativity is, that the new idea, the creative idea, must have value. Far too many people, who believe they are creative, think that just being different for the sake of being different, is creative. It is not; and that is what gives creativity a bad name. 

Ich erinnere mich an eine Präsentation in meinem Studium, nach der ich öffentlich Kritik geübt habe. Ich konnte damals nicht so recht erklären, was mir genau aufstieß, aber nach diesem Video wusste ich es genau. Eine dreieckige Tür zu ‘designen’ nur um anders zu sein ist nicht kreativ. Wie eben gehört. Das war mein eigentlicher Kritikpunkt. 

Getting Things Done? Eine wilde Reise auf dem Weg zur Traumfigur.

May 19th, 2008

Neue Konzepte entstehen, wenn alte Konzepte nicht mehr ausreichen. Das war schon immer so. Wenn vorher noch nicht mal ein altes Konzept bestand, wird es umso spannender. Oder wer von uns normalen Chaoten hat sich schonmal systematisch Gedanken über seine Selbstorganisation gemacht? Richtig, sehr wenige bis keine. Aber wäre es nicht zu schön, wenn man sich nicht mehr mit schlechten Gewissen plagen würde, weil man diese eine Aufgabe vor sich her schiebt, und bei Deadline-Arbeiten nicht mehr die Nächte durcharbeiten müsste? Alles immer ganz toll und vorbildlich geregelt bekommen?  Ja klar, das wäre genauso schön wie 1000 Euro geschenkt bekommen, im Abonnement, monatlich. Oder natürlich die Traumfigur ohne was dafür zu tun. 

Demnach haben Lotterien Erfolg. Trotz dubiosen Anzeigen werden Abnehmpillen zu Hauf verkauft. Und für die Selbstdisziplin gibt es seit geraumer Zeit GTD: Getting Things Done. Na gut, der Vergleich hinkt vielleicht ein bisschen; GTD ist für Selbstständige und selbstständig Arbeitende vielleicht was den Abnehmwilligen die 5-Kg-in-4-Wochen-Diät ist. Neue Diäten und Diätversprechen haben eine lange Tradition, aber die Disziplin-Diät für Chaoten ist neu. Wer schon mehr als zweimal im Aufschieberei-Sumpf versunken ist und sich damit unnötig in totale Hektik und Verzweiflung manövriert hat, wird dieses GTD haben wollen. Keine Probleme mehr mit Prokrastination? Oh ja, bitte! Mehr davon.

David Allen ist der Name des Gurus aller GTD-Jünger. Seine Thesen hat er zu Papier gebracht und sie wurden zum Manifest.

David Allens GTD

Ganz im amerikanischen Sinne positiv Denken und Du-Kannst-Es-Schaffen. Im groben und ganzen Zusammen gefasst sind es 5 Punkte, an die man sich penibel halten muss, um ein erfolgreicher GTDler zu werden:

  1. Sammel: schreibe alles, alles, alles auf. Alles, was in irgendeiner Weise Aktion von dir verlangt. Also genauso “Kater streicheln, weil er sonst zu wenig Zuneigung hat”, wie “Dem Chef die Sache mit der Gehaltserhöhung erklären wollen”
  2. Bearbeite: Mach dir klar: Was muss ich konkret als nächstes dafür tun, damit diese Aufgabe erledigt wird? Was ist das für eine Aufgabe
  3. Organisiere: Ordne die Aufgabe in dein Listensystem ein: Es gibt Listen für “alle Aktionen, für die ich Internet brauche”, “wenn ich den Chef sehe” etc. 
  4. Resümiere: Schau dir dein Listenkonstrukt wöchentlich an. Hat sich was verändert? Wo brennts? Bin ich noch auf dem aktuellsten Stand?
  5. Tu es: Schau dir die Listen an, und tu was sie dir sagen! Sie sind jetzt dein neuer Arbeitgeber, klüger als du und wissen, wann du welche Tätigkeit wann machen sollst. Also hau rein!

Klingt alles recht simpel. Ist auch recht simpel. Es gibt aber einen Haken an der Sache. Und das ist der gleiche Haken wie plötzlich keine Schokolade mehr essen dürfen: Dieses System greift in meine zutiefst antrainierten täglichen Abläufe ein (“Ich brauch doch meine Tafel Milka zum einschlafen…”) und will ein Teil selbiger werden. Nun gut, denkt man sich, dieses Opfer kann man bringen, wenn man bedenkt, was sich alles ändern wird (s.o. [Versprechen]).

Und so reißt man sich zusammen und isst keine Schokolade mehr. Jeder Gedanke an “Oh, da bin ich ja zuständig” oder “Mist, das muss ich noch machen” führt zur einem Inbox-Item im GTD-System. Vorbildlich. Diszipliniert. Sehr gut. Das neue Verbot “Keine Schokolade”/”Kein nicht-Aufschreiben” wirkt. Aber wie es nun ist mit Verboten: sobald sie da sind, besteht der Reiz sie zu brechen. “Nur dieses eine Stück…” und “Ach, das ist jetzt aber doch nicht so wichtig, es aufzuschreiben; kann ich auch später noch machen”. Auf diesem schleichenden Wege versucht die Unvernunft wieder das ganze System und seine Erfolge aufzufressen.

Wie ein Virus, der sich ausbreitet, macht er alles nur noch schlimmer. Er frisst und frisst, und es endet im Exzess: Nachts um 4 Uhr vor dem Kühlschrank Fressorgie starten bzw. 1 Woche auf alle Verpflichtungen scheißen. Und dann am nächsten Tag, wenn der Bauch zum Bersten gefüllt und der Chef fragend auf das Bewerbungsschreiben für die Erhöhung guckt, dann ist es wieder da, das schlechte Gewissen. Man fragt sich, wie es nur so weit kommen konnte? Und man reißt sich wieder zusammen, sammelt alle Scherben auf und macht weiter Diät/GTD.

So ein Jojo ist einfach ein tolles Spielzeug. Vielleicht wird ja noch einer erfunden, der in der Mitte stehen bleibt. Hoffentlich.

 

 

[ps. this is what tim says]

[pps. dieser Beitrag war ungefähr 2 Tafeln Schokolade schwer]

Die Außenwerbungsformel: Rätsel gelöst?

May 16th, 2008

Damit es hier mal nicht so ganz Musiklastig wird, kommen wir nun zu etwas völlig anderem: Werbung, Plakate und der Mensch der da drauf gucken soll, wenn es nach den Machern geht. Leider passiert das sehr selten. Nur warum, und wann tut man’s denn? Ich stelle hiermit eine These auf: 

Aufmerksamkeit = Plakatgröße × Aggressivität der Farben = Konstant

Der Physiker sollte auf die Maßeinheiten verzichten und anerkennen, dass es sich um eine Annäherung handelt. Also Beispiel: Die Plakatgröße ist ‘10′, die Farbaggressivität ist ‘10′. Multipliziert ergibt das 100% Aufmerksamkeit: jeder guckt hin. Verkleinert man das Plakat wird es schneller übersehen. Dreht man am Farbaggressivitätsregler kann man die Einbüßen wieder wett machen. In der Mathematik würde der Graph eine Gerade ergeben.  

Falls das zu abstrakt ist, tut es mir leid. Vielleicht hilft es ja zu erklären, wie ich auf sowas komme: Ich fand in einer alten Kiste auf dem Dachboden einen Brief aus meiner (frühen Schulzeit). Da bewarb sich ein junger Engländer um einen Platz im Austauschprogramm. Handgeschrieben. Auf Papier. Farbig. So farbig, dass es weh tut. So krass neon-orange-farbig, dass man meint es leuchtet im Dunkeln. Aggressiv halt.

Dann wollte mir eine Freundin neulich die Plakate der neuen Jägermeister-Kampagne zeigen. Aus einem fahrenden Auto. Sie hat mich mehrfach drauf hingewiesen, ich solle doch schauen; habe es aber nicht finden können. Beim dritten mal tat ich es. War ja klar warum dann erst: blasse Pastellfarben in A2. Kein Jägermeister, aber auch keine Aufmerksamkeit von mir. Geht vollkommen unter im sonstigen Litfasssäulen-Geklebe. 

Diese zwei durchaus prägenden Schlüsselerlebnisse brachten mich zu dieser waghalsigen These. Macht damit was ihr wollt, das Ziel ist die Erkenntnis.