Wer gefunden werden will, muss Spuren hinterlassen.

December 19th, 2008

“Release Early, release often!”, ist  seit geraumer Zeit ein Motto in der Software- und Internetwelt: Hast du eine Idee, die du umsetzen willst – schau dass du so schnell wie möglich einen Releasekandidaten hast und veröffentliche ihn. Auch wenn noch Features fehlen. Dann update regelmäßig und füge in einem konstanten Rhytmus neue Features hinzu.  Da es schon Nutzer gibt, bekommst du regelmäßig Feedback. 

Man kann und sollte diesen Spruch nicht eins zu eins auf jegliches kreatives Schaffen übertragen, aber ich habe für mich persönlich eine Parallele gezogen. Wie manche ja bereits wissen, mache ich selber Musik und habe irgendwann angefangen am Computer Lieder aufzunehmen / Lieder zu frickeln. Es hat alles ein bisschen gedauert, man muss sich finden. Zum Musikmachen birgt der Computer sehr viele Chancen aber auch Risiken. Man hat alle Möglichkeiten, kann viele viele Sounds benutzen, läuft aber auch Gefahr, sich in der Vielzahl der Möglichkeiten zu verlaufen und seine Richtung zu verlieren. So kam es, dass ich nach einem Jahr einen riesigen Ordner auf der Festplatte liegen hatte mit angefangenen Liedern, Ideen und kleinen Fragmenten. Alles offene Enden, nichts fertiggestellt. 

Ich hatte zuvor immer den Anspruch, dass wenn ich irgendwann Lieder veröffentliche, solle das ein bestimmter Stil sein (mein Stil). Die Lieder sollten so gut sein, dass sie sofort einschlagen. Ja, ich bin Perfektionist und Musik soll vollkommen sein. Doch man steht sich selbst im Weg. Solange man noch nichts erreicht hat, ist der eigene Perfektionismus die größte Blockade.

Und irgendwann habe ich angefangen damit aufzuhören. Ich wollte mich selbst heilen: Lieder ins Internet stellen, von denen man selber schon beim hochladen weiß, an welchen Stellen etwas besser gewesen wäre, was nicht ganz stimmt und überhaupt die nicht das repräsentieren, was ich eigentlich könnte. Somit wird man gezwungen sich öffentlich zu zeigen und zu sagen: “Ja, das habe ich gemacht!” 

Man wird wahrgenommen über Produkte, die nicht dem entsprechen was man eigentlich könnte (in einer idealen Welt).

ABER – und das ist der springende Punkt – man wird wahrgenommen. Und in welchem Maße, hätte ich persönlich nicht für möglich gehalten. Ich habe die Lieder auf Last.fm geladen, und immer wenn ein neues fertig war, einem Album hinzugefügt, Mixed Sessions. Und natürlich waren es immer noch unperfekte Tracks, die zeigen, dass ich auf der Suche bin; dass ich meinen Sound noch nicht gefunden hab. Doch so entstand mit der Zeit eine Kollektion von Liedern, die nach außen wie eine EP aussahen – und plötzlich wurde ich auch so wahrgenommen. 
Wildfremde Menschen gaben mir Feedback, ermutigten mich. Ich konnte sehen, dass jemand aus Japan ein bestimmtes meiner Lieder 8mal in einer Woche gehört hat. Ich bekam Nachrichten aus aller Welt –  Australien, Brasilien, Russland. 
Und so wurde diese Sache (wenn auch in kleinem Rahmen) eine Art Selbstläufer. Hin und wieder stolperten die richtigen Menschen über meine Sachen. Die, denen das gefällt, was ich da mache. Daraus folgt die (eigentlich triviale) Erkenntnis:

Wer gefunden werden will, muss Spuren hinterlassen!

Tagtäglich wuseln Millionen von Menschen durchs Internet und stolpern andauernd über irgendetwas. Irgendwann kreuzen sich die Spuren der einen mit den Pfaden der anderen und Menschen treten in Kontakt. Mein neuestes Beispiel hierfür: Jack Lane. Er macht Videos und ist per Zufall über meine Myspaceseite gestolpert. Eines meiner Lieder hat ihm dann so gefallen, dass er mich gefragt hat, ob er ein Video dafür machen kann. Ja klar, gerne.

Das ist jetzt 2 Wochen her, und das Resultat seht ihr hier:

:::: Nicken | These Days ::::

Gestern bekam ich eine Anfrage von einem Menschen aus England, der eines meiner Lieder in seinem Podcast verwenden will. Ja klar, gerne. 

Ich stehe in Kontakt mit einem Label aus San Francisco, die vielleicht eines meiner Lieder auf einem Sampler veröffentlichen wollen. Ja klar, gerne! 

Ich habe das Gefühl, dass das was gerade passiert ein Vorgang ist, der sich selbst potenziert. Je mehr Leute mich finden und mich referenzieren (ob über Video, Sampler oder Podcast), desto mehr Leute sehen mich. Und umso größer wird die Chance, dass wieder einer dabei ist, der mit mir zusammenarbeiten will. 
Ich bin wirklich voll und ganz überwältigt davon und hätte das nicht für möglich gehalten. Vor allem, wenn man bedenkt, dass das alles Lieder sind, die von mir “einfach nur so” hochgeladen wurden.  

Also mein Aufruf an alle Menschen, die irgendetwas erschaffen (Videos, Musik, Grafik, Texte): Release early, release often. Ihr könnt nicht früh genug anfangen, eure Spuren zu hinterlassen! Sind diese erst einmal da, werden die Leute schon merken, wenn euer Output qualitativer, reifer und professioneller wird.

Der alles beherrschende Computer #1

September 24th, 2008

Manchmal würde ich das gerne der Generation vor mir erklären können, wie das ist, Computerkind zu sein; online zu sein. Ich bin kein Sonderfall, das weiß ich. Man kann von mir nicht auf meine ganze Generation schließen, aber viele, viele sind betroffen: Abhängig von Bildschirmen. Abhängig vom Internet. 

Der gute McLuhan kannte ja nur Fernsehen, als er einen seiner berühmten Sätze in die Welt trug: „The medium is the message“. Das sagt nichts weiter, als dass es in Betrachtungen nicht darum gehen sollte, was in einem Medium gesagt/gezeigt wird, sondern was es mit den Menschen macht. Und der Computer [schließt ab jetzt das Internet mit ein] stellt eine ganze Menge mit meiner Generation an. Genauso wie sich die vorige Generation vollkommen dem Fernsehen als Medium unterworfen hat, unterwerfen wir uns nun kollektiv dem Medium „Computer“. Er ist alles und das zugleich: Kommunikationszentrale, Nachrichtenquelle, Stereoanlage, Fotoalbum, Fernseher, Spielekonsole, Musikinstrument, Arbeitsgerät

Früher sagte man noch „Herr Schmidt hat einen Bildschirmjob“, heute müsste man sagen „Herr Schmidt Junior hat ein Bildschirmleben“. Genauso kann der Vater dem Sohn nicht vorwerfen, dass er die ganze Zeit vorm Bildschirm hänge. Viel zu undifferenziert. Die Frage nach dem Ob (der Bildschirm an ist) ist schon lange geklärt. Heute geht es nur noch um das Was (auf dem Bildschirm gezeigt wird). Resultat: der Computer ist immer an.

Foto: photocase.com © Nadim.LB

Foto: photocase.com © Nadim.LB

Natürlich hat der Vater irgendwo recht. Von außen betrachtet weiß man, dass es nicht gesund sein kann, den Bildschirm zu seinem Lebensmittelpunkt zu machen. Doch wer denkt schon drüber nach? Wer reflektiert? Zu wenige zu selten.

Online Sein heißt in einem Zustand ständiger Antriggerung zu leben. Man wird permanent angetriggert: Chatpartner hier, eingehende Mail da, Neuigkeiten hier, YouTube-Video da. Wenn man das so betrachtet sind Links, aus denen das Internet ja besteht und die es ausmachen, auch nichts anderes als Millionen kleiner Trigger. „Du kannst hier klicken, um mehr zu erfahren“, sagen sie. „Hier geht‘s weiter“, klopfen sie. Und man lässt sich leiten. Man wird geführt. Und eh man sich versieht, ist man irgendwo gelandet; ohne noch zu wissen was man eigentlich wollte. Was wollte ich? Über Trigger schreiben, richtig.

Schauen einem „die Alten“ bei der normalen Computernutzung über die Schulter, wird ihnen schwindelig: „Da würde ich ja ständig zu viel bekommen… was da alles blinkt – gleichzeitig“. Wenn wir ihnen zuschauen, können wir es manchmal nicht fassen, wie langsam die unterwegs sind. Aber so ist das nunmal, der Mensch ist ein Gewöhnungstier, und wir Jungen haben uns schon lange an die permanente Reizflut gewöhnt. Doch was geht damit einher? Gleichzeitig haben wir uns daran gewöhnt, ständig neuen Input geliefert zu bekommen. Regelmäßig. Und kommt mal keiner, fehlt etwas: wir schauen nach, ob es nicht irgendwo was Neues gibt. Jeder hat da so seine eigenen Anlaufstellen (bei mir Last.fm, bei sehr vielen StudiVZ) bei denen er sicher ist, immer wieder Neues zu finden. Und so klickt man sich durch die Seiten und Unterseiten: Zeitvertreib. Zeit verfließt.   Neudeutsch: man bleibt klatschen. 

Und genau hier liegt das Problem: die subjektiv empfundene Hirnaktivität bliebe in einer Skala zwar noch über Schlafen und Fernsehen jedoch weit unter Aktivität, Konzentration oder selbstbestimmten Handeln. Man verfällt in einen Zwischenzustand, genau in der Mitte zwischen Kaffeewach und Tiefschlaf. Nimmt man oben erwähntes in Betracht, nämlich dass der Computer immer an ist, heißt das es kann einem ständig passieren da rein zu rutschen. So wie die moderne Version des Damoklesschwertes sind wir ständig nur kurz davor von auf uns herabfallender, digitaler Trägheit erdolcht zu werden. 

Soundcloud: 2.0-Startup, das Sinn ergibt

July 16th, 2008

Das ist ja echt selten geworden, dass man von einem neuen Webdienst hört und nicht gähnt. Nein, mich interessiert keine deutsche Version von irgendwas, was es schon gibt. Mich interessiert auch kein “wir sind DIE neue Community für…”

Soundcloud

Und jetzt bin ich Teil der neuen semi-private Beta von Soundcloud.com. Und ich bin begeistert.

In Bokardos Blog habe ich vor geraumer Zeit von der Delicious-Lesson gelesen. Die besagt kurz, dass jeder 2.0-irgendwas-Dienst nur eine Chance hat, wenn er dem User persönlichen Nutzen bietet. Der persönliche Nutzen muss größer sein, als der Community-Aspekt. Wenn an einen guten Dienst, wie Delicious, eine Community angebunden ist, hat das nette Nebeneffekte; aber die breite Masse wird niemals einfach aus Gutmenschtum einen Dienst nutzen. Also: das wichtigste für einen Onlinedienst ist der Nutzen für den einzelnen User.

Und jetzt zurück zu Soundcloud: jawoll! Volltreffer! Dieser Dienst tut genau das und richtet sich an Musiker und alle, die irgendwie eigenständig Tondateien erzeugen und mit anderen teilen wollen. Die Leute von Soundcloud haben erkannt, dass es bis jetzt nie Spaß gemacht hat, seine Lieder hin- und herzuschicken; es war irgendwie immer umständlich. Dafür haben sie jetzt eine Lösung geschaffen. Und die ist absolut State of the Art, obwohl es noch in der Beta-Phase ist. Neueste Webtechnologie kombiniert mit sauberem Interfacedesign und einem guten Konzept:

Man lädt eine Sounddatei hoch (ob es nun ein fertiges Lied, eine Demo-Version oder eine rohe Idee ist) und kann bestimmen, ob sie öffentlich zugänglich ist, oder nur bestimmten Leuten gezeigt werden darf. Diese Leute können dann Feedback geben. Das Gute: vorher, musste man sich immer behelfen mit Formulierungen wie “Der Übergang nach dem Intro-Crescendo” oder “die Basslinie bei 2:34″. Jetzt kann man ganz einfach auf der Zeitlinie einen Marker setzen und direkt “vor Ort” seinen Kommentar hinterlassen.
Man kann außerdem bestimmen, ob die Originaldatei runtergeladen werden darf und ob das Lied per Flash-Player auf fremden Seiten eingebunden werden darf. Hier testweise mein neustes Werk:

Man merkt: die Jungens haben Wert auf größtmögliche Flexibilität gelegt. Ja, die Plattform löst keine Probleme, die man nicht vorher auch schon irgendwie hätte lösen können, aber mal wieder ist es das WIE, das die ganze Sache besonders macht. Es macht absolut Sinn für Musiker, die örtlich getrennt von ihren Hörern oder Mitmusikern sind. Und es macht Spaß, das YouTube für Musiker.

Nette Info zum Schluss: das ist ein Europäisches Startup mit schwedischen Roots und Sitz in Berlin. Bitte mehr originale Ideen aus unseren Gefilden!

“Internet? Wer kennt Internet?”

June 21st, 2008

Das ist jetzt kein Witz: Diese Frage wurde uns ernsthaft im Jahre 2004 gestellt, damals im Geschichtskurs. Gestellt von einem Referendar, der nachweislich in seiner eigenen Welt lebte und wenig Anderes mitbekommen hat. Für uns war das Internet damals natürlich schon Alltag. Und natürlich schauten wir den armen Referendar fragend an, bevor wir uns das Lachen nicht verkneifen konnten. 

Heutzutage muss man erst recht davon ausgehen, dass es zumindest in westlichen Ländern keine Menschen gibt, die noch nie vom Internet gehört haben. Es ist schon lange mitten in der Gesellschaft angekommen. Selbst wenn man die Online-Generation rausnimmt. Und man muss eigentlich gar nichts mehr dazu sagen, geschweige denn schreiben. Web 2.0 ist toll. Web 2.0 verbindet Menschen. Hier findet was ganz großes statt… *gähn*
Leute die jetzt noch mit dieser Euphorie ankommen haben wohl das Jahr 2006 verschlafen. Das haben wir alles schonmal gehört. Web 2.0 ist keine neue Verheißung. Web 2.0 ist bloßer Alltag geworden.

Aber dennoch: Manchmal gibt es so Momente, in denen man im Kleinen und ganz persönlich merkt, was da eigentlich passiert ist. Dass das, was man im Alltag für gegeben hinnimmt, trotzdem eine wahnsinnig tolle neue Situation ist. Das wird einem dann in bestimmten Schlüsselerlebnissen klar und man freut sich. Ich hatte jüngst zwei solcher Erlebnisse: 

Zum einen habe ich mich nochmal mit Jazzgitarre beschäftigt. Gitarristen weisen für gewöhnlich ja eine gesunde Distanz zu Musik in Notenform auf, sodass es eine wirkliche Herausforderung wird, die Melodie zu entschlüsseln. In meiner Not habe ich einfach mal den Namen des Jazzstandards bei YouTube eingegeben und sofort hatte ich eine Vielzahl von Versionen des Liedes. Gesungen, als Big-Band-Version und natürlich: Gitarre. Da gibt es nicht nur Leute, die penibel ihr Griffbrett abfilmen, mit den Akkordbezeichnungen eingeblendet, sondern auch welche, die mich Schritt für Schritt durch die Melodie führen. Und eine halbe Stunde später spielt man das Stück und ist um das Auseinandersetzen mit Noten herumgekommen. Der Musiklehrer würde das natürlich nicht begrüßen; der Gitarrist freut sich aber. Und da ist mir das wieder einmal bewusst geworden, was das für ein Schatz ist. Dass das, was da gerade entsteht phänomenal ist: jeder kann Gitarre lernen, einfach nur durch YouTube-Videos: Schlüsselerlebnis #1. 

Schlüsselerlebnis #2: Ich habe angefangen, auf Last.fm Lieder zu taggen. Im großen Stil. Das heißt, wenn ich ein Lied höre, verschlagworte ich es mit allen Begriffen, die ich nur irgendwie damit assoziiere. Also nicht nur “indie” oder “alternativ”, sondern (und gerade eben) “ruhig”, “siebenachtel”, “gut zum arbeiten”, “interessant” oder was einem noch alles einfällt. So kann man dann später sein persönliches Webradio hören. Mit allen Liedern, die zb. “siebenachtel” getaggt sind. Interessant auch, dass man sieht, wie ein Stück bereits getaggt wurde. 
Als ich dann bei diesem einen Goldfrapp-Lied nicht wusste, wie ich das Gefühl ausdrücken soll, dass das Lied ausstrahlt, musste ich wirklich suchen. Irgendwann hatte ich es: zerbrechlich. Dieses Lied klingt zerbrechlich. Angefangen einzugeben, und siehe da: es wurde schon “zerbrechlich” getaggt. Das war wirklich sehr krass. Plötzlich wird einem bewusst, dass irgendwo anders jemand saß und genau den gleichen Gedankenprozess durchlaufen ist: Was strahlt dieses Lied aus? Und ohne dass wir uns kennen, sind wir nun doch verbunden. Und ich fühle mich in meinem Gefühl bestätigt. Das Internet verbindet Menschen.

Nun gut, jetzt also doch ein Loblied auf’s Internet. Was soll man machen? Habt ihr ähnliche Schlüsselerlebnisse gehabt, die die Euphorie nochmal haben aufkochen lassen? So lasst es mich wissen! 

TuneGlue: Landkarte der Musik

June 1st, 2008

Ich weiß, die Applikation ist nicht neu, und die Chance besteht, dass sie viele schon kennen. Ich hatte aber neulich im Rahmen einer größer angelegten Prokrastinationswelle so viel Spaß mit dieser kleinen Flash-Anwendung, dass ich dachte, man müsse diese noch einmal erwähnen. 

TuneGlue

Bei TuneGlue handelt es sich um eine Art semantisches Netz von Musikern und Künstlern. Im Prinzip ist es lediglich eine Visualisierung von Datensätzen. Datensätze, die etwas darüber aussagen, inwieweit sich Künstler ähnlich sind oder auch nicht.  Sie sind bereitgestellt von den zwei größten Sammlern dieser Daten: Last.fm und Amazon. Über die Jahre sind diese Informationen immer präziser geworden, und so kann man sich das Ergebnis nun anschauen. 

Man startet mit einem beliebigen Künstler, in meinem Beispiel jetzt Lamb. Man klickt auf die Schallplatte, auf ‘Expand’ und es ordnen sich 6 weitere Künstler um den ersten an. Sie stehen in enger Verbingung, repräsentieren die “Similar Artists” von Last.fm. Öffnet man die nächste Verbindung, erschließt sich einem das Prinzip: Ähnliche Künstler ziehen sich an, Unähnliche stoßen sich ab. Das war’s eigentlich schon. Dieses Spiel des Aufklappens von Musikverknüpfungen kann man nun beliebig lange weiterführen, bis an die Grenzen der eigenen Rechnerleistung (Flash kann sehr hungrig sein…).  

Was zunächst wie Spielerei klingt, lohnt sich dennoch mal konsequent durchzuführen. Bei einer Menge von mindestens 100 offenen Künstler-Knotenpunkten ergibt sich bereits eine Art Landkarte. Und das ist wirklich interessant. Dann kann man einzelne Länder ablesen: Im Westen sammeln sich die Trip-Hopper, im Osten die ganzen weiblichen Solokünstlerinnen, wandert man Richung Norden geht’s Richtung Post-Rock, und so weiter.

Haben sich einmal diese verschiedenen Inseln gebildet ist es sehr aufschlussreich nach den entscheidenden Verbindungsknoten zu schauen. Also welche Künstler als Bindeglied zwischen den sonst so verschiedenen Musikhörerschaften und Szenen fungieren. Welche Künstler treiben einen Keil in die bestehende Landschaft? Welche Künstler verbinden den Norden mit dem Süden?

TuneGlue-Map ausgegangen von Lamb

Fazit: diese Applikation ist nicht nur für Musikbesessene wie mich interessant, um die verschiedenen Abhängigkeiten und Verbindungen der einzelnen Szenen abzulesen. Es ist auch denkbar, dass vor allem ältere Leute daran Spaß haben könnten, die nicht täglich mit Diensten wie Last.fm umgehen, da es für sie erst recht eine neue Erfahrung ist, ihre Lieblingskünstler so verknüpft zu sehen. Und zu guter letzt können Großeltern ihren Enkelkindern wieder Musik schenken, ohne dass es peinlich wird.   

Das neue Last.fm: Öffentliche Beta-Phase gestartet.

May 21st, 2008

Na gut, nicht so ganz öffentlich. Zugang haben nur Subscriber, dh. Leute die monatlich Extra-Features bezahlen. Trotzdem: jetzt ist die Katze aus dem Sack. Damals, während unseres Semesterprojekt mit Last.fm hatten wir das schon teilweise gesteckt bekommen, dass die einen größeren Relaunch starten, und dass alles neu wird; wir durften das aber nicht publik machen. Dementsprechend gespannt war ich auch immer, endlich was zu Gesicht zu bekommen. Heute schrieb dann das Last.fm-Blog

We’re still working as hard as ever halfway through 2008, laying the foundations for a next-generation Last.fm. We’ve modernised the Audioscrobbler engine that powers the site, and have been exploring new ideas aligned with the different ways music on the internet works today.

Mit Spannung auf beta.last.fm geklickt und: Was bitte? Das soll Last.fm sein? Auf den ersten Blick (und immer noch) kann ich mich mit der neuen Gestaltung nicht so ganz anfreunden. Es sieht ein bisschen so aus, als wären die ein bisschen viel auf Facebook gewesen. Neuerdings sind alle Links Cyan, und die ganze Struktur, der Aufbau, erinnert an Facebook. Es wirkt alles sehr modular: Module übereinander gestapelt. 

Was ich beim alten Design auch immer sehr geschätzt habe: jegliche Community-Features sind sekundär, an den Randspalten: Auf dieser Seite geht es weniger um Chatten, als um die Musik. Demnach gab es auf der Profilseite keine Hobbies zu sehen, sondern die Lieblingsmusik der User. Das ist natürlich immer noch so, eine so starke Priorisierung vermisse ich aber neuerdings. Die Shoutbox ist jetzt so wie in Facebook unten, über die ganze Breite, prominent. Ah, wo wir bei Facebook sind, natürlich gibt es jetzt auch einen Acitivity-Feed mit neuen Aktivitäten aus dem Netzwerk. Kurzum, was mir ein bisschen fehlt ist, auf ein Profil zu gehen und auf einem Blick zu sehen: “ah Foto, achso, diese Musik hört der also, und auf diese Konzerte geht er.” Meiner Meinung nach ist das jetzt ein bisschen versteckter.

Man muss das Design aber auch ein wenig verteidigen, denn was die Masse der zu bewältigenden Informationen und Daten angeht, möchte ich nicht unbedingt mit Last.fm tauschen. Es ist wirklich nicht einfach aus diesem riesen Daten-Jungle ein klares und konzentriertes Interface zu bauen. Hier ein Screenshot (ich hoffe ich darf das überhaupt, da sie aber in ihrem Post geschrieben haben: “Give your family and friends a peek too, and tell us what they think.”), denke ich das geht klar. 

Screenshot von beta.last.fm

Ich habe aber auch schonmal Präsentationen von Hannah Donovan (Head of Creative) gesehen, in denen in großen Lettern proklamiert wurde:

Form follows function! Form EVER follows function!

Und da ist was dran. Und was neue Funktionalitäten angeht, kann man sagen: Fein. Sehr schön. Ich freue mich auf das was kommt. Grober Abriss der Neuerungen:

 

  • die Library: das komplette und allumfassende Archiv meiner kompletten Musikhör-Vergangenheit. Übersichtlich und mit großen Fotos kann man hier sehen, was man sich irgendwann mal angehört hat. Sortiert nach allen möglichen und sinnvollen Kriterien
  • Ajax-Spielereien: na gut, dass sind keine wirklichen Funktionen, trotzdem nett.
  • Möglichkeit, mehrere Playlists anzulegen 
  • Player: der neue Player ist größer, immer an der selben Stelle und funktioniert wirklich viel besser als der alte.
  • Verbesserte Charts: man muss nicht mehr 7 Tage warten, um seine Musikstatistiken zu bekommen. Neuerdings werden diese in Echtzeit aktualisiert. Außerdem hat man direkt die verschiedenen Zeiträume verfügbar: Artists der letzten 7 Tage, 3 Monate, Overall etc.

 

Es gibt da bestimmt noch Neues, das ich noch nicht entdeckt habe, aber so viel steht fest: Last.fm wappnet sich steigender Konkurrenz im Online-Musikplattform-Markt. Insgesamt also doch ein sehr positiver Eindruck; obwohl ich am Anfang doch enttäuscht war, dass die jetzt also auch so aussehen, wie alle anderen Seiten heutzutage auch aussehen. Aber es ist ja auch erst die Beta-Phase, es gibt also noch viel Zeit die ganzen Details zu klären. Also liebe Last.fm’ler, weiter so, ich bin gespannt!

 

[UPDATE]

Vorhin noch ein leicht verstecktes, aber sehr geniales Feature entdeckt: es gibt im neuen Last.fm die Möglichkeit, alle automatisch empfohlenen Lieder, die zum freien Download zur Verfügung stehen, als Podcast zu abonnieren. So hat man quasi einen direkten Stream von der Empfehlungsseite in (bspw) die eigene iTunes-Bibliothek. Das gefällt. 

RSS-Feeds: Plädoyer für Massentauglichkeit

May 20th, 2008

Kennt jemand das noch? Damals, als das Internet noch absolut neu war, saß man oft vor der leeren Adresszeile und hat sich gefragt, was man sich denn jetzt anguckt. Die erste Zeit im neuen On-Demand-Medium war man noch zu sehr darauf eingestellt, sich berieseln zu lassen. Man wollte zwar was sehen, musste dafür aber was tun: sagen was man sehen will. Das war dann oft nicht so einfach, weil man ja irgendwas spannendes erleben wollte, aber nicht wusste, wo sich das befindet. 

Heute geht es uns da schon viel besser. Die Frage, auf welche Seite man geht, stellt sich eigentlich nicht mehr. Jeder Internetnutzer hat so seine 4-5 Seiten, die er regelmäßig besucht, von denen er weiß, dass sie ihm Neuigkeiten oder irgend geartetes Entertainment liefern. Und gut ist. Ganz im Sinne von ‘The Winner Takes It All’ sind das dann jedoch meist große Seiten bzw. große Communities: SpiegelOnline, StudiVZ, YouTube etc. Man kennt sie…

Unter dem Aspekt wäre so eine Aktion, wie ich sie gerade starte, einen Blog zu führen, per se zum scheitern verurteilt. Aber nein, ist es nicht, denn es gibt Hoffnung: RSS, oder auf deutsch: Webseiten-Abonnements. Wenn einem eine Zeitung gefällt, bestellt man sich ein Abonnement, um sie sich nicht selbst jeden morgen am Kiosk abholen zu müssen. Wem eine Internetseite gefällt, der bekommt ebenfalls ein Abonnement, um nicht immer erneut auf die Seite zu gehen und zu schauen ob es was neues gibt. 

Um das zu tun, braucht man lediglich einen Briefkasten – ein Programm, dass alle Neuigkeiten sammelt und mir diese zum Frühstück reicht: der RSS-Reader. Bei Newsgator findet ihr beispielsweise solche Programme. Für Mac kann ich den NetNewsWire-Reader oder Vienna empfehlen. Windows: FeedDemon.

Und wo liegt das Problem? Nun, die wenigsten Leute haben so einen Briefkasten, weil sie gar nicht wissen, dass es die gibt. Der Blog zweinull.cc schreibt dazu:

RSS umgibt nach wie vor eine sehr technische Aura. Es wird, wenn überhaupt bekannt, als etwas angesehen, das “Computerexperten” nutzen. RSS wurde niemals vom Marketing emotional aufgeladen, um weniger experimentierfreudige User zu einer Verwendung zu animieren.

Und genau das ist das Problem. Diese Technik ist gleichzeitig die Antwort auf das oben beschriebene On-Demand- und das  ’The Winner Takes It All’-Problem. Und fristet ein Schattendasein. Schade eigentlich. Wirklich schade. Nicht auszumalen, wie sich die Medienlandschaft und Mediennutzung verändern würde, wenn diese Technik massentauglich werden würde. Erstrebenswert. Das einzige was man dafür tun kann, ist darüber reden und aufklären; was ich hiermit getan habe.

Schaut euch zum Abschluss dieses Video hier an, richtet euch – falls noch nicht geschehen – eure personalisierte Neuigkeiten-Station ein, und klickt auf die RSS-Grafik FeedIcon. Dankesehr.