Bei Aufräumarbeiten auf meinem Rechner fand ich ein paar Stichpunkte, die grob ein “Spiel” umreißen, das eventuell zu gruppenpädagogischen Zwecken benutzt werden könnte. Ich werde nun einfach unkommentiert die Stichpunkte hier posten, vielleicht kann man die Idee ja über die Kommentare weiterspinnen…
Ausgangssituation: Eine Gruppe (Dreierteam) muss zu einem Ziel finden. Auf dem Weg dorthin darf an jeder Kreuzung das nächste Gruppenmitglied entscheiden, wohin man weitergeht. Man darf sich jedoch nicht über das Spiel selbst unterhalten / nicht auf die Meta-Ebene gehen (evtl. muss eine neutrale Person zur Kontrolle mitgehen)
Herausforderung ist, trotzdem zum Ziel zu finden.
Nur eine Person weiß, wo das Ziel ist, darf aber niemandem sagen, dass sie es weiß. Auch nicht dass es ein Ziel gibt. Der Anführer muss versuchen die Gruppe dennoch ans Ziel zu bringen.
Der Gedanke dahinter: man muss lernen sich Gruppenentscheidungen zu beugen, auch wenn man ein genauen Plan vom Weg dorthin hat.
Die Schwierigkeit: bei der Aufstellung des Spiels muss gewährleistet sein, dass gewisse Gruppenmitglieder eine Motivation entwickeln, dass ihr gewählter Weg der richtige ist, und man diesen wählen sollte. Der Lerneffekt tritt ein, wenn man sich wiederholt der Gruppenentscheidung beugen muss und im Endeffekt trotzdem ans Ziel gelangt.
Verschiedene Optionen
Es gibt keinen Anführer, alle wissen wohin sie gehen müssen
Es gibt drei Anführer: jeder weiß vom Ziel, denkt aber die anderen wissen es nicht.
Es gibt drei Anführer: jeder weiß von einem anderen Ziel
Es gibt 2 Anführer: gleiches Ziel / unterschiedliches Ziel
Es treten mehrere Gruppen gegeneinander an. Welche findet unter gleichen Vorraussetzungen zuerst das Ziel? Wenn jede Gruppe andere unsichtbare Hierarchien hat: welche kommt dann zuerst ans Ziel?
Beruflich habe ich bisher ja vor allem Webprojekte umgesetzt (siehe mueboe.de oder moizi.info). Doch so viel Reiz das auch haben mag, es gibt immer Teile der Arbeit, die auf Dauer nerven. Wenn irgendwelche Serverkonfigurationen nicht so wollen wie ich, Bugs unauffindbar sind oder die schön gestaltete Seite im Internet Explorer mal wieder aussieht wie Müll, dann freut man sich immer mal wieder neues und anderes machen zu können.
Wenn dann, wie zuletzt, Aufträge die Erstellung von Musik oder Sound beinhalten, fühlt sich für mich Arbeit direkt weniger nach Arbeit an. Schön. So soll das sein.
Resultat 1:Microsite für das Produkt “Porviva“. Innenarchitekten und Planer können hiermit sehr schöne Oberflächen gestalten. Mein Part war die Umsetzung der Seite in Flash und die Erstellung der Hintergrundmusik.
Resultat 2:Sounddesign für NeoDeco-Typoclip. NeoDeco ist eine Schriftart des relativ jungen Typo-Webshops Hype for Type. Mit der Zeit sollen die meisten ihrer Schriften in einer kurzen Animation vorgestellt werden. Ob ich mehr als diese eine vertonen werde ist noch unklar. Dennoch:
Um sich in etwa vorstellen zu können, was genau das Schwierige / die Herausforderung an der Arbeit ist, kann man den Ton leise drehen. Das war mein Startpunkt, bis zum Endergebnis tastet man sich dann Sekunde für Sekunde vor.
Vor allem nach dieser Erfahrung hoffe ich nun, dass ich beruflich in Zukunft mehr mit Klang zu tun habe. Vielleicht gibt es ja auch Dinge, die daran nerven; nur hab ich sie noch nicht entdeckt.
Über Pfingsten war ich auf dem diesjährigen Moers Festival. Wer es nicht kennt: Schwerpunkt liegt stets darin, neue Strömungen und Musiken zu präsentieren, die im Grenzbereich von Jazz, Pop und Rock liegen. Großgeschrieben werden hier Experiment und Improvisation – wer hier herkommt sollte offen sein für ungewohntes, versuchen sich einzulassen auf Klänge, die man bis dato entweder nicht mochte oder nicht verstand. (Natürlich gibt es als Ausgleich auch jede Menge “accessible music”).
Parallel zum Hauptprogramm gibt es diverse kleinere Veranstaltungen, unter anderem die Morning Sessions: Hier werden für jeweils zwei Stunden an drei Orten Musiker zusammengewürfelt, die sich bis dato nicht kannten. Meist sind das Musiker von Hauptacts des Festivals, sie kommen aus der ganzen Welt und stehen in den Sessions auf der Bühne, um gemeinsam zu improvisieren. Was man dann zu sehen bekommt ist glückssache. Es kann sein, dass nichts entsteht, mit dem man so richtig was anfangen kann. Aber in diesem Jahr waren die Morning Sessions für mich eins der absoluten Highlights.
Es macht einfach Spaß zu sehen, wie etwas so wunderbares entsteht – vor seinen Augen, und man weiß, dass jeder einzelne auf der Bühne gerade genauso entzückt und positiv überrascht ist, über das was ungeplant und spontan plötzlich da ist.
Während ich da saß und dem Treiben zuschaute kam mir die Erkenntnis: Improvisierte Musik ist die Lösung auf alle Fragen!
Naja, nun gut. Vielleicht nicht ganz. Aber wenn jeder Deutsche die Fähigkeiten hätte, die diese Musiker haben, hätten wir ganz gewiss weniger Probleme in unserer Gesellschaft. Was ich meine: Dieses Setup kann man als Metapher sehen. Da stehen Menschen auf der Bühne, die sich auf eine Sprache geeinigt haben, über die sie kommunizieren und interagieren: Musik. Menschen die sich vorher nicht kannten, aber wissen, dass sie gemeinsam etwas entstehen lassen müssen. Sie wissen darum, dass nur etwas entstehen kann, wenn sie gemeinsam im Einklang agieren. Sie wissen darum, dass die Summe mehr ist als die einzelnen Teile. Der Pianist weiß einfach, dass es manchmal angebracht ist, einfach nicht zu spielen und zu warten. Warten, bis sein Element wieder ein Gewinn fürs große Ganze ist. Er weiß aber auch, das es manchmal nötig ist, nach vorne zu preschen. Den anderen, die gerade auf der Suche sind eine Richtung zu geben. Dominant zu sein. Er tut dies aber nicht ohne darauf zu achten, dass er die anderen nicht verliert. Es geht ständig nur um das Ganze, der einzelne ist nur ein kleines Zahnrad, das sich unterordnet.
Wenn alle Menschen so ein Feingefühl aufzuweisen hätten, wäre das definitiv ein Gewinn. Aber das ist natürlich Utopie. Wie sähe so eine Improvisation aus, wenn man die Maximen der Realität anwendet? Zunächst fangen alle an zusammenzuspielen. Doch dann merkt der Gitarrist, dass man ihn besser hört, wenn er lauter spielt. Er nimmt einen Verstärker zur Hilfe und trumpft über alle leiseren unverstärkten Instrumente. Doch Schlagzeug und Blasinstrumente hört man immer noch – größerer Verstärker muss her. Er verbraucht den ganzen zur Verfügung stehenden Strom, sodass die anderen keine Chance mehr haben sich irgendwie Gehör zu verschaffen. Und voilà: Solokonzert des Gitarristen.
Troels Abrahamsen bringt es in seinem Track ganz gut auf den Punkt: “You have to be more like a collider”.
Wenn also improvisierte Musik und ein gutes Miteinander funktionieren sollen, muss sich jeder Akteur über das große Ganze im klaren sein. Er kann in drei verschiedenen Modi operieren:
leise sein / sich zurücknehmen / warten / passiv sein
mitgehen / das bestehende mittragen / nicht fallen lassen
laut sein / nach vorne preschen / eine Richtung weisen
Sobald einer der Akteure nicht weiß, dass all diese Elemente im Wechselspiel zueinander stehen, leidet das Ganze. Wenn zu viele gleichzeitig denselben Modus fahren leidet das Ganze.
Jaja, dieses Internet ist einfach echt eine verrückte Sache. Irgendwer meinte neulich mal “Web 2.0 – surfst du noch oder connectest du schon?” (oder so ähnlich). Ja, es stimmt; wenn man denn will kann man sich mit allen möglichen Menschen in Verbindung setzen, Menschen “begegnen” und sich Zufälle ereignen lassen.
Seit heute halte ich eine CD in den Händen, auf der ein Lied von mir drauf ist. Om Records, Amerikanisches Label, international vertrieben und vermarktet. Verrückte Welt. Danke Internet!
Das fühlt sich so ein bisschen an, wie also nun auch offiziell als Solokünstler akzeptiert zu sein. Erstes echtes Release. Auf Amazon erscheinen. Höchst wahrscheinlich auch iTunes-Store. Release: 27. April 2009. – Tadaa:
Lustig auch, dass ich nie vorhatte ein “Lounge”-Lied zu machen. Man kann es in dem Kontext einordnen, aber ich denke beim Hören des Samplers wird man feststellen, dass ich eine gewisse Außenseiterrolle einnehme. Natürlich ist das ein ruhiger Track, aber es gibt da definitiv ein paar loungigere Tracks auf der Scheibe.
Und wie das so ist mit Samplern, es gibt Lieder die mag man, manche nicht. Zum Teil war ich echt positiv überrascht, zum Teil auch gar nicht, Lounge halt
Also, wer Lust hat darf sich das Ding zulegen. Ich hab momentan leider nur zwei Exemplare, kann also keine verteilen. Was man vielleicht noch zum wiederholten male anbringen sollte: Leute, wenn ihr irgendwas Kreatives macht: zeigt es der Welt. Keine Scheu!
Nach meinem letzten Beitrag blieb das Bedürfnis, klarer zu machen, was ich eigentlich sagen wollte. Hier und in den nächsten Beiträgen nochmal strukturiert:
Ich will nicht aufzählen, was die Welt für Probleme hat, das würde den Rahmen sprengen. Ich geh davon aus, dass jeder Leser hier bestimmt genug einfällt, seien es nun soziale, ökologische oder ökonomische Probleme. Global gesehen, aber auch national, regional und lokal.
Wächst man als halbwegs wacher Mensch auf, bekommt man im Laufe seiner Jugend mit, dass irgendwas mit der Welt nicht stimmt. Das Problembewusstsein fängt an sich zu formen, wenn man z.B. Bettler auf der Straße sieht oder (häufig in Jugendzeitungen) von Tierversuchen/Umweltsünden liest. Auf der Straße schauen hungernde afrikanische Kinder von Plakatwänden herab. Das alles verschafft einem Heranwachsendem Unbehagen, doch kann man das noch sehr leicht wegschieben. Zum einen kann man da ja nichts für, zum anderen sollen sich die Erwachsenen darum kümmern.
Die Frage ist: Darf man – wenn man älter wird – weiterhin denken, dass einen das pauschal nichts angeht? Wenn man mehr lernt, mehr sieht, ein Gespür dafür bekommt wie groß das Ausmaß der Problematik ist? Kann man eine Verantwortung in die man reinwächst einfach ablehnen? Auch wenn ich nicht wirklich viel mit den Ärzten anfangen kann, so hatten sie wohl mit einer Zeile recht:
Es ist nicht deine Schuld, dass die Welt ist wie sie ist.
Es ist nur deine Schuld, wenn sie so bleibt.
Normalerweise geht mit dem Hören solcher Statements ein Ohnmachtsgefühl einher: “Was soll ich denn schon anrichten? Ich hab doch gar keinen Einfluss / nichts zu sagen.”
Die Antwort wäre: Natürlich kannst du als Einzelperson nicht mit einem Schlag irgendwas verändern. Es reicht vollkommen, wenn du einen kleinen Beitrag leistest, einen Misstand zu bekämpfen, der dir besonders wichtig erscheint! Oder indem du einfach nur hilfst ein Bewusstsein zu schärfen.
Problematisch wird es, und das brachte mich letztens so in Aufruhr, wenn Menschen Egoismus nicht nur ausüben, sondern auch laut proklamieren; stolz darauf sind, sich einen Dreck zu scheren um Mitmenschen und die nachfolgenden Generationen.
Die Welt ist kaputt. Scheiße mann. Was für ein richtig beschissener Zustand. Überall. Die Welt ist kaputt, weil der Mensch das herrschende Geschöpf ist. Menschen mit der Gabe von Empathie, auf der anderen Seite durchzogen von Egoismus. Natürlich. In erster Linie ist das hier mein Leben. Und wenn ich alle Baustellen hier vor Ort gefixt hab, kann ich mich ja um andere kümmern.
Die jungen Menschen laufen dem Geld hinterher. Schön Networken. Schön Business. Und später schön ein gutes Auto kaufen. Sich auch mal was gönnen. Natürlich.
Neulich bei Twitter-Search “Bruttosozialprodukt” eingegeben. Folgenden Tweet gefunden: @fragezeichner:
Das Bruttosozialprodukt misst alles, nur nicht das, was das Leben lebenswert macht (JF Kennedy).
Junge Menschen, die Geld als Ziel im Leben haben, tun mir nicht nur leid, sondern werden irgendwann aufwachen und sich fragen, was sie überhaupt die ganze Zeit angestellt haben. Wofür haben sie sich abgehetzt? Schön den Lebenslauf gespickt mit kleinen Einträgen, die sich ja ach so gut machen: Auslandsaufenthalt hier, wichtige elitäre Sonderschulung da. Um nicht zu sagen: Angepasstheit überall.
Wenn man die Dinge nicht versteht, die in der Welt abgehen, muss man sich ja auf andere verlassen. Leuten glauben schenken, die einem sagen wie man sich zu verhalten hat. Man übernimmt für sich einfach Ziele, die einem diktiert werden. Und ordnet sich später irgendeiner Firma unter; der Aufstieg innerhalb derer als vollwertiges Substitut für eigene Ziele im Leben übernommen wird.
Oh wie ich die Faust geballt habe, als mein damaliger vollkommen ignoranter und in seiner Weltsicht unglaublich beschränkter BWL-Dozent alle Leute als “Hippies” bezeichnete, die ernsthaft Zustände anprangern. Oh Lord, natürlich. Das ist ein Weg damit umzugehen. Ignoranz. Aber nicht Ignoranz aus Dummheit, sondern Ignoranz aus Arroganz und Überheblichkeit.
Man will diese Materie nicht an sich heranlassen. Kleine Geister verkraften das nicht.
Ich behaupte gar nicht, dass ich vermag die Welt zu verändern. Und sobald man das sagt klingt das schon so, wie die Großmutter, die ihrem Enkel tätschelnd über den Kopf streicht: “Jaja, damals haben wir auch versucht die Welt zu verändern.”
Das ist nicht das Ziel. Und so naiv bin ich nicht. Ich finde aber durchaus, dass es Zeit ist, dass sich die Leute damit beschäftigen, die intellektuell dazu potentiell in der Lage sind. Jeder sollte sich fragen: Gibt es etwas, dass in meinem Einflussbereich liegt? Etwas, das ich tun kann, sodass die Welt einen kleines bisschen weniger beschissen ist? Was ist meine Kompetenz? Kann man die außer für Geld noch in etwas Positivem verwerten?
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Die Motivation für den unstrukturierten und unreflektierten Beitrag hab ich von diesem Herren hier (Positivbeispiel):
“Release Early, release often!”, ist seit geraumer Zeit ein Motto in der Software- und Internetwelt: Hast du eine Idee, die du umsetzen willst – schau dass du so schnell wie möglich einen Releasekandidaten hast und veröffentliche ihn. Auch wenn noch Features fehlen. Dann update regelmäßig und füge in einem konstanten Rhytmus neue Features hinzu. Da es schon Nutzer gibt, bekommst du regelmäßig Feedback.
Man kann und sollte diesen Spruch nicht eins zu eins auf jegliches kreatives Schaffen übertragen, aber ich habe für mich persönlich eine Parallele gezogen. Wie manche ja bereits wissen, mache ich selber Musik und habe irgendwann angefangen am Computer Lieder aufzunehmen / Lieder zu frickeln. Es hat alles ein bisschen gedauert, man muss sich finden. Zum Musikmachen birgt der Computer sehr viele Chancen aber auch Risiken. Man hat alle Möglichkeiten, kann viele viele Sounds benutzen, läuft aber auch Gefahr, sich in der Vielzahl der Möglichkeiten zu verlaufen und seine Richtung zu verlieren. So kam es, dass ich nach einem Jahr einen riesigen Ordner auf der Festplatte liegen hatte mit angefangenen Liedern, Ideen und kleinen Fragmenten. Alles offene Enden, nichts fertiggestellt.
Ich hatte zuvor immer den Anspruch, dass wenn ich irgendwann Lieder veröffentliche, solle das ein bestimmter Stil sein (mein Stil). Die Lieder sollten so gut sein, dass sie sofort einschlagen. Ja, ich bin Perfektionist und Musik soll vollkommen sein. Doch man steht sich selbst im Weg. Solange man noch nichts erreicht hat, ist der eigene Perfektionismus die größte Blockade.
Und irgendwann habe ich angefangen damit aufzuhören. Ich wollte mich selbst heilen: Lieder ins Internet stellen, von denen man selber schon beim hochladen weiß, an welchen Stellen etwas besser gewesen wäre, was nicht ganz stimmt und überhaupt die nicht das repräsentieren, was ich eigentlich könnte. Somit wird man gezwungen sich öffentlich zu zeigen und zu sagen: “Ja, das habe ich gemacht!”
Man wird wahrgenommen über Produkte, die nicht dem entsprechen was man eigentlich könnte (in einer idealen Welt).
ABER – und das ist der springende Punkt – man wird wahrgenommen. Und in welchem Maße, hätte ich persönlich nicht für möglich gehalten. Ich habe die Lieder auf Last.fm geladen, und immer wenn ein neues fertig war, einem Album hinzugefügt, Mixed Sessions. Und natürlich waren es immer noch unperfekte Tracks, die zeigen, dass ich auf der Suche bin; dass ich meinen Sound noch nicht gefunden hab. Doch so entstand mit der Zeit eine Kollektion von Liedern, die nach außen wie eine EP aussahen – und plötzlich wurde ich auch so wahrgenommen.
Wildfremde Menschen gaben mir Feedback, ermutigten mich. Ich konnte sehen, dass jemand aus Japan ein bestimmtes meiner Lieder 8mal in einer Woche gehört hat. Ich bekam Nachrichten aus aller Welt – Australien, Brasilien, Russland.
Und so wurde diese Sache (wenn auch in kleinem Rahmen) eine Art Selbstläufer. Hin und wieder stolperten die richtigen Menschen über meine Sachen. Die, denen das gefällt, was ich da mache. Daraus folgt die (eigentlich triviale) Erkenntnis:
Wer gefunden werden will, muss Spuren hinterlassen!
Tagtäglich wuseln Millionen von Menschen durchs Internet und stolpern andauernd über irgendetwas. Irgendwann kreuzen sich die Spuren der einen mit den Pfaden der anderen und Menschen treten in Kontakt. Mein neuestes Beispiel hierfür: Jack Lane. Er macht Videos und ist per Zufall über meine Myspaceseite gestolpert. Eines meiner Lieder hat ihm dann so gefallen, dass er mich gefragt hat, ob er ein Video dafür machen kann. Ja klar, gerne.
Das ist jetzt 2 Wochen her, und das Resultat seht ihr hier:
Gestern bekam ich eine Anfrage von einem Menschen aus England, der eines meiner Lieder in seinem Podcast verwenden will. Ja klar, gerne.
Ich stehe in Kontakt mit einem Label aus San Francisco, die vielleicht eines meiner Lieder auf einem Sampler veröffentlichen wollen. Ja klar, gerne!
Ich habe das Gefühl, dass das was gerade passiert ein Vorgang ist, der sich selbst potenziert. Je mehr Leute mich finden und mich referenzieren (ob über Video, Sampler oder Podcast), desto mehr Leute sehen mich. Und umso größer wird die Chance, dass wieder einer dabei ist, der mit mir zusammenarbeiten will.
Ich bin wirklich voll und ganz überwältigt davon und hätte das nicht für möglich gehalten. Vor allem, wenn man bedenkt, dass das alles Lieder sind, die von mir “einfach nur so” hochgeladen wurden.
Also mein Aufruf an alle Menschen, die irgendetwas erschaffen (Videos, Musik, Grafik, Texte): Release early, release often. Ihr könnt nicht früh genug anfangen, eure Spuren zu hinterlassen! Sind diese erst einmal da, werden die Leute schon merken, wenn euer Output qualitativer, reifer und professioneller wird.
Ist es nicht sonderbar? Die momentane Finanzkrise betrifft alle und wird doch von den wenigsten verstanden. Ich will mir gar nicht anmaßen, alles in aller Tiefe zu verstehen, doch fällt es diesmal besonders leicht sich rauszureden. Ja selbst viele Bankangestellte verstanden nicht immer, was sie da eigentlich verkauften. Wie sollen wir das dann tun? Also einfach darauf vertrauen, dass diejenigen, die das “Fachwissen” haben, die Krise schon lösen.
Vor ca. einem Jahr wurde ich das erste Mal aufmerksam auf die Zusammenhänge im bestehenden Geldsystem. Ich sah ein Video, das sehr anschaulich erklärt, wo das Geld eigentlich herkommt, das wir tagtäglich benutzen. Kurzfassung: private Banken haben die staatliche Legitimation in bestimmten Maßen Geld zu erschaffen! Private Banken!
Ich war wirklich schockiert und habe versucht Leuten in meinem Umfeld davon zu erzählen. Doch wie das so oft ist, warum soll man sich im Alltag irgendwelchen dubiosen Internetvideos widmen, die wie eine Verschwörungstheorie daherkommen? Die die komplette Grundlage der aktuellen Gesellschaft in Frage stellen? Nein, bin grad von der Arbeit gekommen und müde, wann anders ja?
Doch mich hatte die Problematik gepackt. Ich erfuhr von der zerstörerischen Wirkung des Zinses, davon wie sehr Real- und Geldwirtschaft auseinanderdriften, wie sehr die Zinslast vergangener Generationen die aktuelle Gesellschaft belastet. Wie konnte das bitte sein, dass unser “Wohlstand”, unsere Existenz auf einem System basiert, dem der Kollaps einprogrammiert ist? Weiß das denn keiner?
Und dann kam auch bei mir wieder der Alltag. Natürlich habe ich diese ganze Sache nicht vergessen, und auch nicht verdrängt; einfach zunächst aufs Eis gelegt.
Und dann Finanzkrise. Ich habe mich wirklich nicht gewundert. Für mich war von Anfang an klar, dass die Finanzkrise eine Systemkrise sein muss, und dass jetzt einfach nur das zutage kommt, was unter der Oberfläche brodelte. Doch wieder: von den oben erwähnten Problematiken war in der Öffentlichkeit nicht wirklich die Rede. Um so glücklicher war ich, als ich dann heute folgenden Vortrag zugespielt bekommen hab (danke David!).
Ich bin schon vorher mal über einen Vortrag von Bernd Senf gestolpert und schon damals sprach er mir aus der Seele. Und hier erklärt er die oben erwähnten Zusammenhänge nochmal mit Blick auf die momentane Krise.
Wenn ich mir das genauer überlege kann ich gar nicht fassen, dass dies keine Inhalte sind, die weit verbreitet sind. Eigentlich sollte sowas jeder wissen, jeder in der Schule beigebracht bekommen. Ich frage mich warum dieses Wissen nicht zur Politik hochschwappt. Vielleicht ist es das ja bereits und es wird nicht thematisiert, weil man sich Machtlosigkeit eingestehen müsste.
Wenn also die momentane Krise eine systemimmanente Krise ist, ist es nur eine Frage der Zeit bis die nächste kommt. Das 500 Milliarden-Paket ist also wie ein Pflaster zu verstehen, dass die akute Blutung stoppt, die Wunde aber niemals heilen wird.
Und wenn es so ist, dass die Menschheit als Ganzes nachhaltige Klugheit wohl nur aus Fehlern erhalten kann… wieviele Finanz- und Wirtschaftskrisen brauchen wir dann noch, um die wahren Ursachen anzupacken?
Manchmal würde ich das gerne der Generation vor mir erklären können, wie das ist, Computerkind zu sein; online zu sein. Ich bin kein Sonderfall, das weiß ich. Man kann von mir nicht auf meine ganze Generation schließen, aber viele, viele sind betroffen: Abhängig von Bildschirmen. Abhängig vom Internet.
Der gute McLuhan kannte ja nur Fernsehen, als er einen seiner berühmten Sätze in die Welt trug: „The medium is the message“. Das sagt nichts weiter, als dass es in Betrachtungen nicht darum gehen sollte, was in einem Medium gesagt/gezeigt wird, sondern was es mit den Menschen macht. Und der Computer [schließt ab jetzt das Internet mit ein] stellt eine ganze Menge mit meiner Generation an. Genauso wie sich die vorige Generation vollkommen dem Fernsehen als Medium unterworfen hat, unterwerfen wir uns nun kollektiv dem Medium „Computer“. Er ist alles und das zugleich: Kommunikationszentrale, Nachrichtenquelle, Stereoanlage, Fotoalbum, Fernseher, Spielekonsole, Musikinstrument, Arbeitsgerät.
Früher sagte man noch „Herr Schmidt hat einen Bildschirmjob“, heute müsste man sagen „Herr Schmidt Junior hat ein Bildschirmleben“. Genauso kann der Vater dem Sohn nicht vorwerfen, dass er die ganze Zeit vorm Bildschirm hänge. Viel zu undifferenziert. Die Frage nach dem Ob (der Bildschirm an ist) ist schon lange geklärt. Heute geht es nur noch um das Was (auf dem Bildschirm gezeigt wird). Resultat: der Computer ist immer an.
Natürlich hat der Vater irgendwo recht. Von außen betrachtet weiß man, dass es nicht gesund sein kann, den Bildschirm zu seinem Lebensmittelpunkt zu machen. Doch wer denkt schon drüber nach? Wer reflektiert? Zu wenige zu selten.
Online Sein heißt in einem Zustand ständiger Antriggerung zu leben. Man wird permanent angetriggert: Chatpartner hier, eingehende Mail da, Neuigkeiten hier, YouTube-Video da. Wenn man das so betrachtet sind Links, aus denen das Internet ja besteht und die es ausmachen, auch nichts anderes als Millionen kleiner Trigger. „Du kannst hier klicken, um mehr zu erfahren“, sagen sie. „Hier geht‘s weiter“, klopfen sie. Und man lässt sich leiten. Man wird geführt. Und eh man sich versieht, ist man irgendwo gelandet; ohne noch zu wissen was man eigentlich wollte. Was wollte ich? Über Trigger schreiben, richtig.
Schauen einem „die Alten“ bei der normalen Computernutzung über die Schulter, wird ihnen schwindelig: „Da würde ich ja ständig zu viel bekommen… was da alles blinkt – gleichzeitig“. Wenn wir ihnen zuschauen, können wir es manchmal nicht fassen, wie langsam die unterwegs sind. Aber so ist das nunmal, der Mensch ist ein Gewöhnungstier, und wir Jungen haben uns schon lange an die permanente Reizflut gewöhnt. Doch was geht damit einher? Gleichzeitig haben wir uns daran gewöhnt, ständig neuen Input geliefert zu bekommen. Regelmäßig. Und kommt mal keiner, fehlt etwas: wir schauen nach, ob es nicht irgendwo was Neues gibt. Jeder hat da so seine eigenen Anlaufstellen (bei mir Last.fm, bei sehr vielen StudiVZ) bei denen er sicher ist, immer wieder Neues zu finden. Und so klickt man sich durch die Seiten und Unterseiten: Zeitvertreib. Zeit verfließt. Neudeutsch: man bleibt klatschen.
Und genau hier liegt das Problem: die subjektiv empfundene Hirnaktivität bliebe in einer Skala zwar noch über Schlafen und Fernsehen jedoch weit unter Aktivität, Konzentration oder selbstbestimmten Handeln. Man verfällt in einen Zwischenzustand, genau in der Mitte zwischen Kaffeewach und Tiefschlaf. Nimmt man oben erwähntes in Betracht, nämlich dass der Computer immer an ist, heißt das es kann einem ständig passieren da rein zu rutschen. So wie die moderne Version des Damoklesschwertes sind wir ständig nur kurz davor von auf uns herabfallender, digitaler Trägheit erdolcht zu werden.
Gestern morgen war ich spazieren im Aachener Stadtpark und lief vorbei an den Vorbereitungen zu den Kurpark Classix. Das ist eine Reihe von OpenAir Klassikveranstaltungen an diesem Wochenende. Auf dem Rückweg war gerade Generalprobe eines Konzerts für Kinder: Malte und die Detektive. Ich hab mich hingesetzt und die letzte halbe Stunde zugesehen.
Das Konzept der Veranstaltung: Kindern wird die “Angst” vor Klassik genommen, indem einzelne Stücke eingebettet sind in eine Art Kinderunterhaltung. Dieser Malte ist wohl vom Tigerentenclub. Die Story: das “C” ist verloren gegangen. Malte und die Detektive gehen also auf die Suche nach der Note “C”. So treffen sie immer auf verschiedene Musiker und fragen, ob die das C haben. Niemand hat das C. Doch dann erfahren die Kinder jeweils etwas über das Instrument des jeweiligen Musikers. Und der jeweils vorgestellte Musiker spielt dann im Anschluss immer ein Stück zusammen mit dem Orchester. Klassikstücke. Zum Teil mit Opernstimme und so. Und am Ende finden sie einen Trompeter, der also doch noch das C hat. Happy End.
Was mich nachdenklich gemacht hat: Der Ansatz ist ja definitiv gut gemeint. Kinder langweilen sich nicht in Konzerten der Erwachsenen, sondern bekommen ständig Input. Können die Einzelheiten besser verstehen, von dem was da abgeht. “Ach, das sind also Waldhörner…” Kinder lernen spielend, wie so ein Orchester aufgebaut ist, worauf es ankommt etc…
Ziel war also definitiv, Kindern die Musik zugänglich machen. Sie dazu zu motivieren, auch ein Instrument lernen zu wollen. Das ist ja auch richtig so, Kinder sollten musizieren. Schaden tut es nie, eher im Gegenteil.
Womit ich aber immer mehr ein Problem hab, ist der Zwang: Eltern wissen, dass musikalische Kinder bestimmte Zusammenhänge schneller verstehen, lernen zu lernen, soziale Fähigkeiten entwickeln und so weiter. Heute, in Zeiten der Elite und Exzellenz, gehört es natürlich zum guten Ton, dass MEIN Sohn bei der musikalischen Früherziehung ist/war. Mein Kind soll schließlich mal Elitekind werden. Sich so entwickeln, dass es immer vorne dabei ist. Und natürlich soll es Ahnung von Kultur haben. Und zwar die richtige Kultur: Kultur unseres Verständnisses; dazu gehört natürlich klassische Musik.
Bitte verstehen Sie mich nicht falsch, ich liebe Musik und klassische Musik gehört mitunter dazu, doch seh ich bei dieser ganzen Sache ein Problem. Wenn das Ziel ist, musikalische Kinder hervorzubringen, sollte man doch auch dafür sorgen, dass die Kinder nicht aufhören damit. Etwa damit aufhören, weil sie ihr halbes Leben dazu gezwungen worden sind. Weil Klavierübungen ihnen keine Freude war, sondern eine Pflicht, weil die Eltern ja schließlich viel Geld in den Unterricht steckten. Und was passiert, wenn sich ihre musikalische Erfahrung bis in die Teenagerjahre auf klassische Musik beschränkt? Man will dann in dieser Zeit keine Klassik hören. Man will das hören, was die anderen hören. (Ob man TokioHotel jetzt mag oder nicht, aber sie gehören wahrscheinlich dazu). Und plötzlich hat die eigene Musikalität, die sich auf Klassisches beschränkt, rein gar nichts mehr damit zu tun, was man gerne hört. Sie repräsentiert “Eltern”. Sie repräsentiert das, was man in dieser Zeit ablegen möchte. Als Resultat hören die Kinder irgendwann auf, Instrumente zu spielen, weil das nichts mehr mit ihrer Lebensrealität zu tun hat. Nicht cool.
Und was haben die Eltern nun hervorgebracht? Kinder, die mit Musizieren Zwang und Leistungsdruck verbinden. Kinder, die sich davon befreien wollen, sobald sie’s können.
Was hat das ganze jetzt mit Malte und den Detektiven zu tun? Malte kann nichts dafür, aber ich hatte die ganze Zeit das Gefühl, dass genau diese Art von Eltern am Sonntag diese Veranstaltung besuchen. Die Art von Eltern, die ihre Kinder schonmal vorbereiten wollen auf ein kultiviertes Eliteleben. Und da stieß es mir auf. Vielleicht gehe ich ja mal morgen vorbei und schaue, ob ich recht hatte…